Die Geschichte des Geldes – und wie es weiter geht

Februar 5, 2018

Bei den Recherchen für mein neues Buch muss ich mich unter anderem damit befassen, was Geld eigentlich ist und warum es einen Wert für uns hat. Werfen wir heute mal – als kleiner Vorgeschmack auf das Buch – einen (Rück-)Blick auf unser Finanzsystem.

Wie alles begann

Bevor es Geld gab, tauschten die Menschen Waren und Dienstleistungen. Der Bäcker tauschte Brot gegen Fleisch, der Schneider Kleidung gegen etwas zu trinken und so weiter. Auch das Eintauschen von Arbeitsleistung war üblich. So konnten diejenigen, die selbst nichts herstellten ihren Lebensunterhalt bestreiten.

Mit der Zeit wurde dieser direkte Tauschhandel aber immer unübersichtlicher und komplizierter. Deshalb ersetzte man den Tauschhandel durch das Geldsystem. Anstatt dem Metzger Brot zu geben, konnte der Bäcker ihm jetzt eine aus Edelmetall bestehende Münze geben, die der Metzger gegen beliebige Waren eintauschen konnte. Wer Münzen besaß, konnte kaufen und besitzen was er wollte.

Weil die Münzen aus Edelmetall bestanden, hatten sie einen konkreten Wert, der gesehen und gewogen werden konnte. Münzen verloren nie ihren Wert, so etwas wie Inflation war unbekannt. Es gab allerdings auch ein Problem: Die Münzen waren sehr leicht zu fälschen. Der Betrug damit begann schnell zu wuchern.

Abgesehen davon gab es nur eine beschränkte Anzahl Münzen und es war auch ziemlich nervig das ganze Klimpergeld herumzutragen, wenn man etwas größeres kaufen wollte.

Die Einführung des Papiergeldes

Mit dem Papiergeld versuchten die Erfinder die zwei größten Probleme zu lösen. Zunächst einmal war es deutlich einfacher große Zahlen auf die bunten Papierschnitzel zu schreiben. Abgesehen davon wog dieses Geld weniger. Papiergeld ermöglichte somit den Transfer großer Geldsummen.

Weil Papier nicht so wertvoll ist wie die Zahl, die auf den Geldschein gedruckt wurde, hinterlegte man für jede in Umlauf befindliche Banknote eine bestimmte Menge Gold. Nur Regierungen hatten Zugriff auf dieses Gold, es wurde in besonders geschützten Anlagen verwahrt. Die bekannteste davon ist natürlich Fort Knox in den USA.

Bezahlte jemand mit einer Banknote, war das nur ein symbolischer Akt. Eigentlich bezahlte er mit dem beim Staat hinterlegten Gold. So hatte jeder einzelne Geldschein genau den Wert, der in Gold hinterlegt war. Weil auch Gold nur in begrenzter Menge zur Verfügung stand, waren auch die Geldscheine vor Inflation geschützt.

Durch Wasserzeichen und andere Sicherheitsmerkmale galten Geldscheine zu jeder Zeit als fälschungssicher. Finden die Gangster nach einiger Zeit Mittel und Wege, bringen die herausgebenden Institutionen einfach neue Geldscheine auf den Markt, die besser gegen Fälschungen geschützt sind. Dieses Katz und Maus-Spiel wird bis heute fortgeführt.

Der Erste Weltkrieg ändert alles

Die Hinterlegung von Gold für jeden Geldschein, bekannt auch als „Goldstandard“ wurde bis zum Jahr 1914 eingehalten. In diesem Jahr begann der Erste Weltkrieg und der war dummerweise so teuer, dass sämtliche weltweit verfügbaren Goldreserven nicht ausreichten, um ihn zu finanzieren.

Um weiter Krieg spielen zu können, hoben die Regierungen weltweit den Goldstandard vorübergehend auf und ermöglichten dadurch die Herstellung von Banknoten in unbegrenzter Menge. Der Geldmarkt wurde geflutet und schon kurz nach dem Krieg lernte die Menschheit ein ganz neues Problem kennen: Die Inflation.

Nach dem Abblühen des Waffengeschäftes waren so viele Geldscheine auf dem Markt, dass ihr Wert innerhalb kürzester Zeit auf den realen Wert von ein paar Gramm Papier fiel. Es war kein Gold mehr hinterlegt, demzufolge konnte ein bunter Schnipsel Papier nur so viel wert sein wie ein bunter Schnipsel Papier.

Last man standing

Auf die Hyperinflation folgte ziemlich schnell die damit eng verknüpfte Weltwirtschaftskrise. Menschen verloren ihre Arbeit, hungerten und suchten nach einem Sündenbock. Bei uns in Deutschland mussten vor allem die Juden herhalten, weil sie schon immer mit Geldgeschäften in Verbindung gebracht wurden. Wie das endete, wisst ihr alle. Andere Regierungen verstanden ebenfalls nicht, was gerade abgelaufen war und schoben die Schuld anderen Regierungen in die Schuhe. Schon hatten wir den nächsten Weltkrieg, der noch teurer und grausamer war.

Nur ein einziges Land auf diesem Planeten verstand, was wirklich passiert war. Die USA erkannten den Zusammenhang zwischen der Aufhebung des Goldstandards und der Hyperinflation. Kein Wunder, dass die USA nach Ende des Zweiten Weltkrieges als einziges Land den Goldstandard wieder einführten. Alle anderen bezahlten ihre Kriegsschulden mit heisser Luft und wertlosen bunten Papierschnipseln.

Der Tag, an dem Nixon alles kaputt machte

Weil der US-Dollar, im Gegensatz zu allen anderen Währungen, einen echten, mit Gold hinterlegten Wert besaß, wurde er schnell zur beliebtesten und vertrauenswürdigsten Währung. Sein Wert stieg ins Unermessliche, Amerika wurde zur führenden Finanzmacht. Das war die Zeit, in der die Wall Street voll Ehrfurcht betrachtet wurde.

Das Glück hielt bis 1971. In diesem Jahr stellte Präsident Richard Nixon fest, dass der Vietnam-Krieg doch etwas teurer war als gedacht. Amerika steckte bis weit über den Hals in Schulden und die einzige Möglichkeit da jemals wieder herauszukommen, war die Aufhebung des Goldstandards. Wieder einmal sorgte ein fürchterlich grausamer Krieg dafür, dass das Geld vom Gold entkoppelt wurde.

Die nachfolgenden Präsidenten erkannten entweder den bereits erwähnten Zusammenhang nicht, oder sie nahmen Inflation, Finanz- und Wirtschaftskrisen und alle anderen weniger schönen Dinge billigend in Kauf.

Warum wir Geld trotzdem als wertvoll betrachten

Münzen haben wenigstens noch den Wert des Metalls aus dem sie bestehen. Geldscheine haben heute nur noch den Wert eines bunten Papierschnipsels. Ein paar Cent können wir noch für den Metallstreifen und das Wasserzeichen drauflegen.

Doch warum betrachten wir Papiergeld weiterhin als wertvoll und tun so als hätte es mehr Wert als Papier? Der Hauptgrund ist, dass die meisten Menschen das Geldsystem nicht verstehen und blind den Banken und Regierungen vertrauen. Ohne dieses Vertrauen würde das ganze Finanzsystem nicht funktionieren.

Wir vertrauen darauf, dass die Banken und Regierungen dafür sorgen, dass unser eigentlich wertloses Papiergeld seinen imaginären Wert behält. Wir vertrauen auch darauf, dass unsere Regierung dafür sorgt, dass unsere Geldscheine von jedem und überall akzeptiert werden. Außerdem vertrauen wir inzwischen ein paar privat geführten Konzernen wie Visa und Paypal, die auch berechtigt sind Finanztransaktionen durchzuführen.

So lange das Geld an das Gold gebunden war, mussten die Menschen niemandem vertrauen. Das Geld hatte einen realen Wert. Heute lässt der Staat eine Zahl auf Papier drucken und der Handel bestimmt wieviel Waren oder Dienstleistungen du für dieses Papier erhältst. Wenn die Regierung einen bestimmten Geldschein nicht mehr sehen will, erklärt sie ihn einfach für wertlos. Beim 500-Euro-Schein wirst Du das bald erleben.

Die Zukunft des Geldes

Weil der Wert des Papiergeldes nur durch Vertrauen in Banken und Regierungen aufrecht erhalten wird und dieses Vertrauen immer mehr schwindet, stellt sich die Frage wie es in Zukunft mit dem Geld weiter geht.

Unsere Welt wird heute von Computern und Smartphones beherrscht, Online-Banking ist völlig normal geworden. Geld wird oft gar nicht mehr auf Papier gedruckt, in der Zentralbank klickt einfach irgendjemand mit der Maus, schon sind neue Millionen Euro, Dollar oder Rubel in Umlauf.

Wenn das Geld zum Großteil nur noch in Computern existiert, liegt der Gedanke nahe eine Währung zu erfinden, die von vornherein nur in der Computerwelt existiert. Diesen Job hat Satoshi Nakamoto mit seinem Bitcoin erledigt, inzwischen gibt es zahlreiche weitere Kryptowährungen wie Ethereum, Litecoin und Dash.

Auch für dieses Kryptogeld ist nirgendwo Gold hinterlegt. Bits und Bytes sind noch weniger wert als Papier. Bitcoin und seine zahlreichen Verwandten erhalten, wie das Papiergeld, ihren Wert nur durch das Vertrauen, das ihnen Menschen entgegenbringen.

Ein Weg,Vertrauen aufzubauen, ist für eine möglichst hohe Akzeptanz zu sorgen. Wir vertrauen Euro und Dollar weil sie überall akzeptiert werden. Wir können den Handwerker, den Metzger, die Massagetherapeutin und auch unsere Autos damit bezahlen. Hier haben die Kryptowährungen, soweit ich das sehe, noch viel aufzuholen.

Einige Cafes und Supermärkte in Deutschland akzeptieren Bitcoins. Im Internet kannst Du bei vielen Händlern damit bezahlen. Japan hat den Bitcoin inzwischen als offizielles Zahlungsmittel akzeptiert, in Österreich kannst Du Bitcoins an der Tankstelle kaufen. Dort wurde vor kurzem auch die erste Bank eröffnet, die Geldgeschäfte mit der Kryptowährung erlaubt. In London gibt es Automaten, die Pfund in Bitcoins tauschen. Zumindest diese bekannteste aller Kryptowährungen hat sich nachweisbar Akzeptanz und damit Vertrauen aufgebaut. Das erklärt weshalb der Bitcoin mehr wert ist als alle anderen Kryptowährungen zusammen.

Eine andere Möglichkeit Vertrauen aufzubauen, ist die Kryptowährung mit humanitären oder nützlichen Projekten zu verbinden. Das sehen wir sehr oft bei Ethereum, weil die Erfinder ihre zu Grunde liegende Blockchain-Technologie kostenlos zur Verfügung stellen und Programmierer bei der Umsetzung ihrer Projekte unterstützen.

Ein Beispiel für ein derartiges Projekt ist Steemit. Das ist eine Mischung aus Reddit und Medium, oder anders gesagt, ein soziales Netzwerk mit Blog-Funktionen. Veröffentlicht ein Nutzer einen Beitrag auf Steemit, können andere Nutzer seinen Beitrag upvoten (entspricht dem Liken bei Facebook) oder downvoten (das entspricht einem „Mag ich nicht“). Für einen Upvote erhält der Verfasser Geld, bei einem Downvote verliert er Sichtbarkeit.

Steemit löst verschiedene Probleme, die wir von Facebook, Twitter und Co. kennen. Postest du auf Facebook etwas, bekommst du dafür nichts. Bei Steemit hast du zumindest die Chance bezahlt zu werden. Weil nur wirklich gute und nützliche Beiträge bei Steemit upgevoted werden, macht es keinen Sinn dieses Netzwerk mit Werbemüll vollzuspammen oder herumzutrollen. Solche Leute werden sofort massiv downgevoted und sind innerhalb von Minuten nicht mehr sichtbar.

Die Auszahlung erfolgt in der hauseigenen Währung Steem, die so weit ich weiß auf der Ethereum-Blockchain läuft. Wieviel sich dort verdienen lässt, hängt vom Zeitpunkt des Postens und der Laune der Nutzer ab. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass ich mit einem Beitrag umgerechnet über 300 US-Dollar verdient habe, andere Beiträge erzeugten gar nichts oder dümpelten bei einem oder zwei lausigen Dollar herum.

Menschen erhalten die Macht zurück

Gewinnt das Vertrauen in Kryptogeld an Fahrt, sind noch ganz andere Wunder möglich. Wie die meisten wissen, kann man sich Kryptogeld zu Hause selbst anfertigen. Ich benutze dafür den Dienst Eobot. Das Monopol von Banken und Regierungen auf die Geldherstellung wurde gebrochen.

Wenn wir davon ausgehen, dass Automatisierung und Digitalisierung immer mehr Arbeitsplätze vernichten und dass gut gemeinte Experimente wie das bedingungslose Grundeinkommen nicht funktionieren, bleibt als Ausweg die eigenständige Erzeugung von Kryptogeld übrig. Das Geld entsteht durch Rechenoperationen praktisch aus dem Nichts, wir müssen weder einen Arbeitgeber suchen noch Termine bei Kunden einhalten. Diese Methode macht aber natürlich nur Sinn, wenn das Kryptogeld eine höhere Akzeptanz und mehr Vertrauen erhält.

Ich glaube daran, dass es so kommen wird, weil uns die zunehmende Automatisierung gar keine andere Chance lässt. Das technikverliebte Japan sieht es genau so, deshalb wurde der Bitcoin dort als offizielles Zahlungsmittel akzeptiert. Blöd wäre nur ein globaler Stromausfall, aber der würde auch das altbekannte Geldsystem empfindlich treffen, weil an den Handelsbörsen ohne Computer schon lange nichts mehr läuft.

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