Die wahnwitzige Suche nach dem nächsten Einhorn

Dezember 1, 2017
einhorn

Lieber Markus. Das in Jackpot gezeigte, weitgehend risikofreie Portfolio ist ja ganz nett. Aber kannst du nicht auch mal Dinge zeigen, die richtig Spaß machen?

Diese Frage wird mir häufig gestellt, deshalb zeige ich Dir heute mal etwas aus dem Bereich Hochrisiko-Investment. Bevor wir in die schillernde Welt zukünftiger Hoffnungsträger eintauchen, muss ich Dich aber warnen:

Unbekannte Startups und Kryptowährungen zählen zu den Hochrisiko-Investments. Investoren kann ein Totalverlust drohen! Stecke kein Geld in diese Dinge, wenn Du den Verlust nicht verschmerzen kannst.

Damit habe ich dem §32 Kreditwesengesetz hoffentlich zur Genüge entsprochen.

Hast Du den Warnhinweis verstanden, liegt es an Dir, ob du durch die Tür geht, die ich jetzt für dich öffne. Sie führt in Garagen und Studentenbuden, in denen sich Computerfreaks Gedanken über die Zukunft machen und versuchen das „Next Big Thing“ zu bauen. Es ist wie im Jahr 1976, als Steve Jobs und Steve Wozniak den ersten Heimcomputer zusammenschraubten. Nur ein bisschen moderner und mit anderen Möglichkeiten. Viele der Projekte, an denen die Computerfreaks arbeiten, setzen sich später nicht durch oder werden verworfen. Einige wenige jedoch, das sind diejenigen, die man in der Szene Einhörner nennt, werden die Welt verändern und in Zukunft selbstverständlich für uns sein. Wie der Heimcomputer, den wir heute PC oder Mac nennen.

Der Unterschied zwischen damals und heute

Bei der Finanzierung des Heimcomputer-Projekts gingen Jobs und Wozniak den traditionellen Weg. Sie suchten ihre ersten Geldgeber in der Familie, später wandten sie sich an ihre Hausbank. Als erste Kundenbestellungen eintrafen und das Projekt größer wurde, suchten sie nach Investoren, die wir heute als Business-Angels und Venture-Kapitalisten bezeichnen. Das sind – grob erklärt – Privatleute, die Geld gegen eine exklusive Beteiligung an der Firma bereitstellen. Nach vielen Rückschlägen ging Apple schließlich an die Börse, um genug Geld für die Eroberung der Welt einzusammeln. Den Rest der Geschichte kennst du sicher.

Heute, im Jahr 2017, läuft der Hase ein wenig anders. Es gibt Crowdfunding, P2P-Lending, Kryptogeld und vieles mehr. Das moderne Computerfreak-Startup nutzt diese Möglichkeiten, um die eigenen Projekte zu finanzieren. Zumindest am Anfang. Ob später auf die traditionellen Finanzierungsmöglichkeiten zugegriffen wird, weiß niemand. Ich schätze, dass Elon Musk (Erfinder des Tesla) einer der letzten Freaks war, die ihr Projekt auf herkömmliche Weise finanziert haben. Die neuen Freaks glauben häufig nicht mehr an das traditionelle Finanz- und Bankensystem, diese Leute gehen davon aus, dass wir in der Zukunft nur noch mit Kryptogeld bezahlen. Deshalb stehen sie Bitcoin, Ethereum und ihren zahlreichen Verwandten sehr nahe.

Risikofreudige Investoren, die heute in unbekannte Start-Ups investieren möchten, müssen sich demzufolge mit Kryptowährungen und Krypto-Trading auseinandersetzen. Im Prinzip funktioniert das Investment wie der normale Aktienmarkt. Die Betreiber des Start-Ups erfinden häufig eine eigene Kryptowährung. Investiert jemand Geld in diese Kryptowährung, entspricht das einer Investition in das Start-Up. Das Kryptogeld ist somit ein Äquivalent zur Aktie und sollte genau so betrachtet werden.

Konto bei einem Kryptowährungs-Broker eröffnen

Von Aktien weißt du, dass diese über einen Broker gehandelt werden. Das Gleiche gilt für Kryptogeld. Du brauchst demzufolge erst einmal einen Broker über den du investieren kannst.

Ich habe für mein wahnwitziges Einhorn-Projekt den Krypto-Broker bitfinex gewählt, weil mir diese Plattform von der Bedienung her gefällt und die Gebühren angenehm niedrig sind. Krypto-Broker verlangen generell weniger Gebühren als gewöhnliche Broker, aber auch hier lohnt es sich die Gebühren zu vergleichen.

Die Kontoeröffnung ist schnell und unkompliziert. Du gibst einen Benutzernamen und ein Passwort an, stellst die richtige Zeitzone ein und klickst auf „Open Account“. E-Mail-Adresse bestätigen, fertig.

Hier siehst Du recht deutlich den Unterschied zwischen modernen und traditionellen Finanzdienstleistern. Es gibt kein nerviges Post-Ident-Verfahren, Du musst keine Ausweiskopien in fremde Hände geben und wirst auch nicht wie ein Schwerkrimineller behandelt, nur weil du ein Girokonto eröffnen willst.

Aus Sicherheitsgründen empfiehlt bitfinex eine Zwei-Faktor-Authentifizierung einzurichten. Dafür arbeitet der Broker mit den Diensten fidoU2F, Twilio und Google Authenticator zusammen. Was genau geschützt wird und wie die Einrichtung des Sicherheits-Features gemacht wird, erklärt bitfinex in englischer Sprache.

Ich habe mich für Twilio entschieden, weil ich die Prüfung über eine per SMS zugeschickte TAN angenehm finde. In diesem Fall klickst Du in bitfinex einfach auf „Twilio“, gibst Deine Handynummer ein und bestätigst den zugeschickten Code.

Die gesamte Einrichtung des Broker-Kontos inklusive Sicherheitsfeature hat bestenfalls zehn Minuten gedauert. Versuche das mal bei einem traditionellen Broker hinzubekommen!

Hat alles geklappt, kannst du zum Hauptbildschirm von Bitfinex wechseln, der nicht anders aussieht wie der eines normalen Aktienbrokers.

bitfinex

Geld auf das Broker-Konto einzahlen

Um zu investieren, musst Du zuerst einmal Geld auf das Broker-Konto einzahlen. Dazu klickst du einfach auf „Deposit“. Du kannst Euro, US-Dollar oder Kryptogeld an den Broker senden.

Bei den normalen Währungen musst Du allerdings eine umfangreiche Identifizierung mit Ausweiskopie, etc. über dich ergehen lassen, weil in diesem Fall die Gesetze der traditionellen Finanzwirtschaft gelten.

Für mein Experiment verwende ich 100 Euro, die ich vor Urzeiten bei AdvCash eingezahlt und nie gebraucht habe. Den Verlust dieses Geldes könnte ich verschmerzen. Leider kann ich bei AdvCash das Geld nicht direkt in Kryptogeld umtauschen. Für Überweisungen auf ein anderes Konto verlangt der Dienst horrende Gebühren. Ich wäre auf einen Schlag über 20 Euro los wenn ich den Überweisungsdienst von AdvCash in Anspruch nehmen würde.

Zum Glück gibt es Zwischenhändler, die das Geld wesentlich günstiger umtauschen. Nachdem ich mir einige angesehen, und auch versucht habe ihre Seriosität einzuschätzen, bin ich bei Goldlux hängen geblieben. Die verlangen 0,5 % des Betrages plus 2 Euro für den Umtausch. Ich verliere somit durch Gebühren insgesamt 2,50 Euro. 97,5 EUR bleiben zum Experimentieren übrig. An Kryptogeld erhalte ich 0,240 ETH (Ethereum). Ich habe mich für diese Währung entschieden, weil man hier mehr für den Euro bekommt als beim Bitcoin.

godlux

Jetzt heißt es warten. Ist Goldlux wirklich seriös? Oder ist das Geld weg? Ich mache erst einmal Mittagspause. Ich futtere Pizza und höre mein Smartphone summen. Eine neue Mail. Goldlux bestätigt den Versand der Kryptowährung an meine Wallet.

Tatsächlich ist das Geld, abzüglich der Gebühren, bei bitfinex angekommen. Jetzt kann die Suche nach dem nächsten Einhorn starten.

Hinweis: Auch bei Hochrisiko-Investments solltest Du das Risiko streuen und nicht alles auf ein Pferd setzen. Wie das genau funktioniert, kannst Du in Jackpot nachlesen. Ich habe mir zwei Start-Ups ausgesucht auf die ich meine Hoffnungen setze. Das Geld soll zu gleichen Teilen auf diese zwei Unternehmen verteilt werden.

IOTA – Verbindet das „Internet of Things“

Industrie und Politik wünschen sich, dass in Zukunft alle Geräte miteinander vernetzt sind. Der Toaster soll mit der Kaffeemaschine kommunizieren, die Waschmaschine mit Amazon, usw. Seit Jahren wird an diesem „Internet of Things“ gebastelt und geforscht. Die Firma IOTA baut eine einheitliche Schnittstelle, über die Geräte miteinander kommunizieren können. Du kannst dir das ungefähr wie die Erfindung des USB-Ports vorstellen. Irgendwann kam der Wunsch auf möglichst viele verschiedene Geräte an den PC zu hängen. Dafür musst eine einheitliche Schnittstelle her. Beim Internet of Things besteht im Moment das gleiche Problem. Jeder will dabei sein, aber bis jetzt frickelt jeder mit seinen eigenen Schnittstellen herum, Nichts ist kompatibel. Genau das will IOTA ändern und sieht hier seine Marktchance.

Um das Projekt zu finanzieren, hat IOTA eine eigene, gleichnamige Kryptowährung entwickelt. Ein IOTA war heute 1,06 Euro wert, für diesen Preis habe ich 28 IOTA gekauft. Der Kursverlauf sieht so aus:

iota-kurs

Du siehst hier den Kursverlauf der letzten 90 Tage. Rechts geht der Graph steil nach oben. Das liegt daran, dass mehrere bekannte Technikblogs über IOTA geschrieben haben. Ganz am Ende fällt der Kurs ein wenig, was mich als Anleger freut. Insgesamt hat IOTA bis jetzt 2,78 Milliarden in Form seiner eigenen Kryptowährung herausgegeben und damit um die 180 Milionen US-Dollar eingesammelt. Eine starke Marktkapitalisierung ist somit gegeben. Ich kann jetzt nur hoffen, dass der Kurs wieder nach oben geht.

Was ich mit IOTA gekauft habe, nennt man an der traditionellen Börse „Pennystock“. 1,06 Euro für eine „IOTA-Aktie“ in Form von Kryptowährung ist nicht viel Geld. Die Idee beim Hochrisiko-Investment besteht darin Anteile zu kaufen, so lange noch niemand die Firma kennt. Wer vor 30 Jahren Aktien von Apple gekauft – und damit die beiden Gründer in ihrer Garage unterstützt hat – kann sich heute freuen und ist vielleicht sogar Millionär geworden.

Ich lasse das Kryptogeld liegen, bis eines dieser beiden Szenerios eingetreten ist:

#1: IOTA ist pleite oder stampft sein Projekt ein – In diesem Fall ist mein Geld futsch

#2: Der Wert des IOTA steigt auf mindestens 20 Euro – wenn das passiert, nehme ich das Geld vom Spieltisch!!

Welt der Wunder – Revolutioniert den Verkauf von Senderechten

Das zweite Projekt profitiert von einem starken Markennamen. Hendrik Hey, der Erfinder der erfolgreichen TV-Sendung „Welt der Wunder“, möchte den Lizenzhandel mit Senderechten im TV- und Filmbereich erneuern. Durch seine langjährige Berufstätigkeit beim Fernsehen kennt Hey die Probleme seiner Branche sehr genau. Im Moment läuft der Handel mit den Lizenzen über zahlreiche Banken, Anwälte und Zwischenhändler. Es kann sechs Wochen und länger dauern, bis ein TV-Sender das Recht für die Ausstrahlung erhält. Noch dazu will jeder in der Kette richtig viel Geld verdienen. Da sitzen – ungelogen! – Typen drin, die kassieren 50.000 Euro nur dafür, dass sie ihre Unterschrift auf irgendein Papier setzen. Wie extrem diese Auswüchse sind, siehst Du beim Fußball am allerbesten. Die FIFA wird von einem Skandal nach dem anderen erschüttert, Korruption und Schmiergelder sind alltäglich. Und liebe Fußball-Fans – kein Spiel dieser Welt ist 20 Millionen Euro und mehr wert!

Hendrik Hey mit seinem Welt der Wunder-Team will den Handel mit Medienlizenzen vereinfachen und die ganzen korrupten Mitkassierer aus der Kette werfen. Dazu soll zunächst eine neue Kryptowährung eingeführt werden, die „MILC“ (Micro Licensing Coin) heißen wird. Außerdem entsteht eine Youtube-ähnliche Plattform, auf der professionelle Filmemacher ihre Produkte zum Kauf anbieten können. Welt der Wunder wird dort eigene produzierte Sendungen hochladen und diese in Zukunft nur noch über die eigene Plattform an die TV-Sender verkaufen. Interessiert sich ein Sender oder Filmverleiher für das angebotene Material, kann er die Lizenzrechte mit echtem Geld oder Kryptogeld kaufen. Weil der Handel ohne die zahlreichen Zwischenhändler stattfindet, erhält der Käufer seine Zusage innerhalb weniger Stunden. Abgesehen davon fällt der Preis für die Lizenzen gewaltig, weil die ganzen Zwischenhändler nicht mehr mitgefüttert werden müssen.

Mir gefällt diese Idee, ich konnte mich auf der Webseite des Projektes aber bis jetzt nur unverbindlich als Interessent anmelden. Das Team von Welt der Wunder legt großen Wert darauf, dass vor dem Start alle rechtlichen und finanzwirtschaftlichen Fragen abgeklärt sind. Macht nichts. Lieber ein paar Wochen länger warten, als auf irgendwas Unsicheres reinzufallen. Ein bisschen Geld habe ich für das interessante Projekt beiseite gelegt, sobald es losgeht, werde ich dort einsteigen.

Ich hoffe, ich konnte Dir mit diesem Einblick in das Hochrisiko-Investment hohen Nutzwert liefern. Probiere es einfach mal aus, berücksichtige aber auch die Verlustwarnung. Es macht Spaß, sich mit Dingen zu beschäftigen, die möglicherweise irgendwann die Welt revolutionieren. Wenn Du damit auch noch passives Einkommen aufbauen kannst, umso besser.

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