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Wie man ein Reise-Influencer auf Instagram wird: Ein detaillierter Leitfaden

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Etwas in meinem Inneren hasst es, diesen Begriff in die Tastatur zu hacken. Aber es ist nunmal Tatsache, dass es Leute gibt, die als Reise-Influencer arbeiten und sich damit komplette Reisen finanzieren. 

Für viele Leute hat dieser Begriff einen negativen Beigeschmack, denn bei den Reise-Influencern sind ein paar Sachen gewaltig daneben gegangen.

Es ist kinderleicht geworden Bilder, Texte und Videos mit jedem zu teilen. Das hat eine Horde von Schnorrern hervorgebracht, die nur darauf aus sind Gratis-Übernachtungen in Luxushotels oder gleich komplette Pauschalreisen mit All-Inklusive-Verpflegung abzugreifen. Diese Spezies klaut sich Inhalte von anderen Accounts zusammen oder versucht diese so gut wie möglich zu kopieren, kauft Follower, um eine vorhandene Fanbase vorzutäuschen und nervt mit billigen Marketing-Tricks. Kein Wunder, dass viele Firmen die Schnauze voll haben und keine Reise-Influencer mehr akzeptieren.

Gibt es auch ehrliche Reise-Influencer?

Der Fairness halber müssen wir uns aber auch mal die andere Seite der Medaille anschauen. Es gibt tatsächlich hart arbeitende Menschen, die für ihre Geschäftspartner das absolute Maximum herausholen möchten. Sie geben sich erst zufrieden, wenn ein vorher vereinbartes Ergebnis erreicht wurde. Sie studieren und analysieren ihre Follower in den sozialen Netzwerken und optimieren ihre Beiträge so lange, bis ihre Fans wirklich begeistert davon sind. Und bis ihr Auftraggeber das Geschäft seines Lebens macht.

An dieser Sorte Reise-Influencer sind Firmen natürlich brennend interessiert. Das Problem für sie besteht darin, solche Influencer zu finden und nicht auf die zahlreichen Hochstapler reinzufallen.

Aber wie zum Teufel wird man ein echter Reise-Influencer?

Jedenfalls nicht, indem du andere Leute kopierst. Machen wir uns nichts vor, das Internet ist hoffnungslos überfüllt. Und jeden Tag drängen neue Leute hinein, weil es immer einfacher wird eine Webseite zu bauen oder etwas auf Social Media zu posten, beispielsweise Videos. Vor einem Jahr brauchte ich mindestens einen halben Tag, um einen kurzen und ansprechenden Werbefilm zu produzieren. Heute benutze ich einen Dienst wie Vidnami und mache die gleiche Arbeit in zehn Minuten.

Um in dieser Flut aus Bildern, Texten, Videos, Podcasts, Webseiten und Netzwerken aufzufallen und gefunden zu werden, musst du dir schon etwas ganz besonderes einfallen lassen. Etwas, das viele Leute, aber auch Firmen anspricht, die irgendwann auf deinem Account oder Blog Werbung schalten und dich dafür fürstlich bezahlen sollen.

Hier kommt ein Tipp, der dein Leben für immer verändern und dich vielleicht sogar zum Superstar oder Multimillionär machen kann:

Die sensationellste, geilste und coolste Geschichte bist du selbst!

So verrückt es klingt, du musst einfach nur du selbst sein und deine Träume verwirklichen. Vergiss die ganzen Marketing-Gurus, die dir erzählen, dass du dieses oder jenes Tool benutzen musst oder dass du deinen Charakter verändern und dich als Ultramacker präsentieren musst, der täglich drei Ferraris zum Frühstück verspeist.

Es schadet nicht, wenn du ein erfolgreiches und mit Abenteuern gespicktes Leben führst, aber die Hauptrolle in diesem Film, der dir hoffentlich jede Menge Follower und Werbekunden bringt, spielst du.

Wenn du den Traum hast möglichst günstig mit einem Privatjet um die Welt zu reisen, fange einfach an diesen Traum zu leben. Informiere dich, was so ein Flug normalerweise kostet und versuche den Preis durch Sponsoring, Travel-Hacking oder andere Dinge so weit wie möglich nach unten zu drücken. Das Happy-End dieses Films besteht darin, dass du fast zum Nulltarif in den Flieger steigst und um die Welt jettest. 

Jetzt kommt der wichtige Teil: Berichte über jeden Erfolg und jeden Misserfolg auf deinem Blog oder Instagram-Account. Produziere Bilder, Videos und Texte und zeige anderen Leuten, wie du an deinem verrückten Traum arbeitest. Dein Auftritt im Internet wird dadurch zu einer Art Seifenoper.

Wer könnte sich für ein derartiges Abenteuer interessieren? Wahrscheinlich jeder, der schon mal drei Stunden in der Warteschlange vor dem Economy-Class-Schalter gestanden hat und weiß wie weh die Füße danach tun. Und natürlich auch die Luxusreise-Industrie oder Firmen, die Flüge mit Privatjets anbieten.

Sollte das zu extrem oder abgehoben für dich sein, kannst du dir auch eine ganz einfache Geschichte für deine Seifenoper ausdenken.

Wie wäre es mit “Ein Pärchen geht auf Weltreise?”

Genau diese Geschichte erzählen Vivian Velle und Johannes Richter auf ihrem Instagram-Account jovi_travel. Derzeit verfolgen etwa 320.000 Abonnenten ihre Seifenoper, die damit beginnt, dass die beiden nach Südostasien fliegen und sich an besonders romantischen Plätzen fotografieren, wie das jedes Pärchen macht. Für einen einzigen Post mit Werbelink kassieren die beiden 1.000 Euro und das ist nicht einmal ihre Haupteinnahmequelle. Als inzwischen Dauer-Weltreisende beraten sie Firmen auf der ganzen Welt in Sachen Social Media und Influencer-Marketing. 

Oder mit einem Jungen, der einfach nur die Mädchen in seiner Klasse beeindrucken will?

Das ist die Seifenoper von Caleb Coffee, einem 14-jährigen Jungen, der ins Fitness-Studio ging, um sich ein paar Muskeln anzutrainieren, mit denen er die Mädchen in seiner Klasse beeindrucken wollte. Er fing an Bilder und Videos von sich auf Tik Tok zu posten und versuchte dabei seine neu antrainierten Muskeln besonders gut zur Geltung zu bringen. Aus diesem Grund gibt es viele Bilder von ihm, auf denen er in einem nassen oder ganz ohne T-Shirt zu sehen ist.

Heute ist der inzwischen 16-jährige Caleb einer der absoluten Megastars auf Tik Tok. Fast 8 Millionen Nutzer haben seinen Account abonniert, insgesamt erhielten seine Beiträge bis jetzt mehr als 211 Millionen Likes. Weil er selbst noch keine Geschäfte abschließen darf, handeln seine Eltern für ihn lukrative Werbeverträge mit Sportartikel-Herstellern aus und kassieren über ihren Sohn fünfstellige Summen für einen einzelnen Post mit Werbelink.

An diesen Beispielen siehst du, dass es nicht immer die extremste, coolste und abenteuerlichste Geschichte sein muss. Auch profane Geschichten finden ihre Zuhörer. 

Wichtig ist, dass du dran bleibst und regelmäßig neue Folgen deiner Seifenoper produzierst. Und noch etwas ist wichtig:

Sei einfach du selbst

Das Internet ist voll mit Hochstaplern. Wir brauchen keine weiteren Leute, die komplett erfundene, hoffnungslos übertriebene Geschichten posten und so tun, als wären sie Multimillionäre und Geheimagenten, während sie in Wirklichkeit nur in ihrer verdreckten Zweizimmer-Wohnung in Wanne-Eickel sitzen und mit Green-Screen und Photoshop ihr Traumleben faken.

Es ist auch völlig falsch, nur noch für Instagram zu leben. Ich begegne ständig Leuten, die sich drei Stunden in die Warteschlange einer bekannten Sehenswürdigkeit stellen, nur um schnell ein Selfie zu schießen, das sie sofort auf das soziale Netzwerk hochladen.

Genauso wenig solltest du aktuellen Trends folgen und nur das immergleiche Zeug posten, das schon tausende davor gepostet haben, nur weil irgendwer irgendwann mal damit Erfolg hatte.

Als Reise-Influencer musst du neue Trends setzen. Das geht nur, indem du entweder eine ganz neue Seifenoper erzählst oder eine bereits vorhandene verbesserst, indem du deine eigene Kreativität und Individualität zur vorhandenen Geschichte hinzufügst.

Und mach um Gottes Willen nicht bei irgendwelchen Hilfsaktionen mit, nur weil das gerade im Trend ist. Vor einiger Zeit, als ich gerade auf Bali war, wurden Hashtags wie #cleanthebeach populär. Leute auf der ganzen Welt organisierten sich, um den Müll von den Stränden zu entfernen. Eigentlich eine gute Sache, aber auf Bali, wo es eine sehr große Influencer-Szene gibt, lief das irgendwie anders. Anstatt Müll aufzusammeln, machten die Leute Selfies und drehten Videos mit ihren Drohnen! Der Strand sah danach schlimmer aus als vorher.

Wenn du einfach du selbst bleibst und versuchst deinen Traum zu verwirklichen, hast du automatisch den Hauptdarsteller und die Geschichte für deine Seifenoper gefunden. Ob du sie auf YouTube, Instagram, einem eigenen Blog oder ganz woanders veröffentlichst, hängt nur von deinen Fähigkeiten und Möglichkeiten ab.

Möglicherweise musst du die Plattform mittendrin wechseln und deine Inhalte an einen neuen Ort übertragen, weil du feststellst, dass deine erste Wahl nicht die beste war. Das gehört zum Lernprozess.

Lege deine Messlatte nicht zu hoch

Am Anfang eines Films oder einer Seifenoper ist der Held immer ein armes, unscheinbares  Würstchen. Er wird erst im Verlauf der Geschichte zum Helden, meistens kurz vor dem Ende.

Genau diesen Teil kapieren die Hochstapler und die Online-Gurus, bei denen sie ihr Handwerk lernen, nicht. Sie versuchen sofort Superhelden zu sein.

Und was passiert? Innerhalb kürzester Zeit können sie ihre Versprechen nicht mehr halten und ihre Seifenoper nicht mehr weiter produzieren. Wenn du es dir nicht leisten kannst, jeden Tag im Four Seasons zu übernachten, solltest du auf Instagram nicht so tun, als ob du es könntest. Vielleicht hast du wirklich mal eine Woche dort übernachtet und 50 Bilder geschossen, aber nach den 50 Bildern ist dein Film zu Ende. Dann kannst du entweder anfangen zu faken oder aufhören.

Abgesehen davon ist es deutlich anstrengender jeden Tag einen Menschen zu spielen, der du nicht bist, anstatt einfach nur du selbst zu sein. Gib deinen Followern kein Versprechen, das du nicht halten kannst.

Sei einfach, wer du bist und lasse auf Instagram deine Persönlichkeit strahlen. Klar, gute Bilder erregen Aufmerksamkeit, aber es ist deine Persönlichkeit, die dich zu einem echten Influencer macht. Jeder ist auf seine Weise geistreich, charismatisch und clever. 

Es ist viel einfacher jeden Tag etwas zu tun, ohne das Interesse zu verlieren, wenn dein Job praktisch nur daraus besteht du selbst zu sein. 

Warum du mit dieser Strategie nicht verlieren kannst

Du weißt jetzt, dass du ein verrücktes und lohnenswertes Ziel brauchst und deine eigene Seifenoper produzieren musst. Schön und gut, aber was, wenn deine Seifenoper niemanden interessiert und du keinen einzigen Follower findest?

Dann wirst du zwar kein Reise-Influencer, gewinnst aber trotzdem. Jedenfalls dann, wenn du am Ende deiner eigenen Seifenoper das Happy End erreichst. Dieses Happy End ist nicht zwingend eine Million Follower auf Instagram, ausser natürlich du hast dieses Ziel für das Ende deiner Seifenoper ausgewählt.

Das einzige, was du jeden Tag konsequent machen musst, ist zu versuchen deinen größten Traum in die Realität umzusetzen. Immer wenn du diesem Traum ein Stück näher gekommen bist, dokumentierst du das auf Instagram. Dort richtest du dir am besten einen neuen Account ein, der nur mit den Episoden deiner Seifenoper gefüllt wird. 

Wie sieht das bei der verrückten Idee mit dem Privatjet aus? Du nennst den Account beispielsweise “Im Privatjet um die Welt” und schreibst, dass es auf diesem Account um genau dieses Thema geht. Dass du versuchst, möglichst günstig in einem Privatjet um die Welt zu reisen und du so lange hier posten wirst, bis du tatsächlich im Flieger sitzt.

Dadurch passieren mehrere Dinge:

Besucher deines Seifenoper-Accounts wissen sofort, worum es geht

Besucher, die sich für das Thema interessieren, werden zu deinen ersten Followern

Du bist jetzt gezwungen, deine Seifenoper zu leben und auf das Ziel hinzuarbeiten. Schließlich hast du gerade in der Öffentlichkeit verkündet, dass du das machen willst. Es ist jetzt deutlich schwerer für dich einen Rückzieher zu machen.

Vor allem der letzte Punkt wiegt schwer. Es ist ungefähr so, wie wenn du jedem in deiner Familie hoch und heilig versprochen hast mit dem Rauchen aufzuhören. Ab jetzt stehst du unter Erfolgsdruck und musst dein Ziel ansteuern, auch wenn es im Moment noch unerreichbar zu sein scheint.

Was wirst du zuerst machen, wenn du dir das Ziel mit dem Privatjet gesetzt hast? Ich würde erst einmal Google anwerfen und nach Reiseveranstaltern suchen, die Weltreisen im Privatjet in ihrem Sortiment haben. 

Hast du einen oder mehrere gefunden, dokumentierst du deinen Fund auf deinem Seifenoper-Account. Wie wäre es mit einem kleinen Video, das drei oder vier Weltreisen im Privatjet, die Anbieter dieser Reisen und die jeweiligen Preise zeigt? So ein Video lässt sich mit Vidnami in wenigen Minuten produzieren. Sorge dafür, dass es nicht länger als 60 Sekunden dauert, damit du es auf jede erdenkliche Social Media Plattform hochladen kannst.

Weil dein Account noch ein neugeborenes Baby ist, wird wahrscheinlich niemand dieses Video sehen. Aber du hast trotzdem deine Arbeit dokumentiert und kannst dir den Film jederzeit selbst anschauen, wenn du dich nicht mehr an die Preise und Anbieter erinnern kannst.

Jetzt gehst du einfach den nächsten Schritt. Ich weiß, dass eine solche Reise zwischen 70.000 und 100.000 Euro kostet. Und ich gehe davon aus, dass diese Summe nicht auf deinem Bankkonto liegt. Genauso wenig wie auf meinem. Was wirst du jetzt tun?

Die 100.000 Euro sind die letzten zwei Minuten deiner Seifenoper. Sie sind sozusagen der X-Wing, in den Luke Skywalker steigt, kurz bevor er den Todesstern sprengt. Die restlichen zwei Minuten zeigen dann nur noch wie du im Privatjet auf Weltreise gehst. Das ist die Szene, in der der Todesstern explodiert. Wenn du magst, kannst du noch ein par Minuten hinzufügen. Denk an die Ehrung durch Prinzessin Leia. Das ist die Belohnung, die der Held in Star Wars erhält. Deine Belohnung ist die Weltreise im Privatjet. Warum die nicht auch noch dokumentieren?

Aber soweit sind wir noch nicht. Du hast jetzt den Anfang und das Ende deines Drehbuchs. Das Schwierige ist der Mittelteil und die damit verbundene Frage: Wie kommst du an die 100.000 Euro?

Du könntest ein Online-Business aufbauen, das diese Summe erwirtschaftet. Oder versuchen das Geld durch Aktienhandel zu verdienen. Vielleicht findest du sogar eine völlig neue Möglichkeit? Natürlich kannst du auch eisern sparen und jeden Monat ein bisschen Geld für die Reise beiseite legen. Das dürfte aber eine sehr lange Seifenoper werden, wenn man die derzeitigen Sparzinsen betrachtet.

Sagen wir als Beispiel, dass du es mit dem Online-Business versuchst. Du schaust dir YouTube-Videos an, liest Blogs und versuchst so viel wie möglich über den Aufbau eines Online-Business zu lernen. Du probierst die gefundenen Tipps aus, fällst ein paar Mal auf die Schnauze und wirst vielleicht sogar von einem halbseidenen Online-Guru abgezockt.

Dokumentiere alles, was geschieht auf deinem Seifenoper-Kanal. Gib weiter, was du gelernt hast und warne andere, wenn du eine Falle oder einen Irrweg entdeckt hast. Erwähne in den Beiträgen immer auch dein eigentliches Ziel, die eigentliche Handlung deiner Seifenoper. Das Online-Business ist nur ein Vehikel, dass dich zu deinem Hauptziel (100.000 Euro verdienen, um mit einem Privatjet um die Welt zu reisen) führen soll.

Mit dem, was im letzten Absatz steht, hast du mindestens 15 Folgen deiner Seifenoper im Kasten. Weil du dein eigener Programmdirektor bist, kannst du gerne festlegen, über welchen Zeitraum die Folgen mit dem Online-Business maximal laufen sollen. Sagen wir einfach 12 Monate. In dieser Zeit versuchst du das Geschäft zum Erfolg zu führen und dokumentierst dabei jeden Schritt und jeden Erfolg oder Misserfolg.

Ist das Jahr abgelaufen, wird Bilanz gezogen. Der Held, also du, steht jetzt an einem Scheideweg. Soll er den Weg mit dem Online-Business weitergehen oder eine andere Strategie versuchen? Du drehst eine Folge, in der Bilanz gezogen und der bisherige Erfolg bewertet wird.

Hat das Online-Business nur 2.000 Euro erwirtschaftet, wird sich der Held für eine neue Strategie entscheiden. Er will nicht als 80-jähriger Greis im Flugzeug sitzen, sondern möglichst schnell. Liegen 50.000 Euro auf dem Konto des Geschäftes, weiß der Held, dass er bisher alles richtig gemacht hat. Er hat bereits die Hälfte der Strecke zum Hauptziel zurück gelegt! Warum nicht einfach weitergehen?

Ob der Mittelteil der Seifenoper bei dir genau so oder anders verlaufen wird, kann ich natürlich nicht sagen oder vorhersehen. Es ist deine Seifenoper, deine Heldenreise. Nicht meine.

Noch ein Tipp, der dir wirklich weiterhelfen wird: Ohne Obi Wan Kenobi wäre Luke Skywalker niemals zum Retter der Galaxis geworden. Wenn dir ein Follower oder jemand anderes Hilfe anbietet, erwähne das in deiner Seifenoper. Setze das, was dir dein Helfer rät in die Tat um und dokumentiere es. Erzähle auch, ob und wie gut die Hilfe war und lobe den Helfer über den grünen Klee, wenn seine Tipps wirklich gut waren. 

Genauso wirst du alles dokumentieren, wenn sich der Helfer als Scharlatan entpuppt und nur dein Geld will. In diesem Fall kann deine Dokumentation als Beweis vor Gericht dienen, wenn der Scharlatan noch eine Schippe drauf legt und dir eine Abmahnung schickt.

Ärgere dich nicht über den Bösewicht, denke einfach daran, dass kein Film und keine Seifenoper ohne ein paar fiese Typen auskommt. Was wäre Star Wars ohne Darth Vader und den Imperator?

Und was hat das alles mit dem Reise-Influencer zu tun?

Ich habe im letzten Kapitel kein einziges Mal das Wort Reise-Influencer benutzt. Warum? Weil das nur ein Beipack-Produkt ist. Eine Belohnung, die dir zusätzlich in den Schoss fällt, wenn du dein Ziel erreicht hast.

Sobald du im Privatjet sitzt, will jeder wissen, wie du das gemacht hast. Die meisten Menschen sind nur am Endergebnis interessiert, kaum jemand fragt danach, wie der Held sein Ziel erreicht hat. Das ist der Grund, warum sich vielleicht niemand für die ersten zwanzig Folgen deiner Seifenoper interessieren wird. 

Im Kino haben die Leute gar keine andere Möglichkeit, als den Weg des Helden vom Anfang bis zum großen Finale zu verfolgen. Sie müssen alle 125 Minuten von Star Wars anschauen. 

Bei einer Seifenoper im Fernsehen sieht es anders aus. Gefällt sie dir nicht mehr, kannst du jederzeit damit aufhören sie weiter zu verfolgen. Niemand kann dich dazu zwingen alle 1.758 Folgen der Lindenstraße anzuschauen. Gott sei Dank. Wenn dir etwas nicht gefällt, wechselst du einfach den Kanal.

Bei Blogs und Social Media können die Zuschauer ebenfalls frei entscheiden, ob und welche Folgen deiner Seifenoper sie anschauen. Sie können diese Folgen mit ihren Freunden teilen und liken, was gut für dich ist. Sie können aber auch bitterböse Kommentare hinterlassen, dich wegen jedem noch so kleinen Fehler abmahnen oder dein Werk auf ihren eigenen Seiten und Accounts schlecht reden. Vergiss nicht, zum Helden gehört auch der Bösewicht.

Schaffst du es, eine erfolgreiche Seifenoper zu drehen, die von mehreren tausend Followern begeistert verfolgt wird, kann die Entscheidung Firmen zu erlauben Werbung auf deinem Kanal zu schalten, den Weg zu deinem Hauptziel deutlich beschleunigen.

Die Sache mit dem Reise-Influencer sein ist in deiner Seifenoper nur eine weitere Sache, die durch eine Entscheidung des Helden herbei geführt wird. 

Sagen wir, du hast um die 50 Folgen deiner Seifenoper produziert. Etwa 5.000 Menschen sehen sich die Serie mehr oder weniger regelmäßig an. 1.000 von denen sind so begeistert, dass sie unter jeder Folge einen Kommentar hinterlassen, das Zeug mit ihren Freunden teilen und dich immer wieder anfeuern weiter zu machen. Das sind deine Super- Fans, die du besonders im Auge behalten und vielleicht sogar dankbar in einer deiner Folgen erwähnen solltest. 

Trotzdem sind 100.000 Euro ein langer und beschwerlicher Weg. Als Held könntest du jetzt entscheiden, deinen treuesten Fans etwas ganz besonderes und persönliches zu verkaufen. Es wird Zeit für das Merchandising! Bau eine kleine Webseite, auf der die Fans ein T-Shirt oder einen anderen Fanartikel zum Sonderpreis vorbestellen können. Machen das 50 oder 60 Leute, lässt du den Fanartikel produzieren und lieferst ihn an die Vorbesteller aus. Dokumentiere fleißig mit und trau dich ruhig zu fragen, ob die Käufer ein Selfie mit dem Fanartikel machen können, damit du es in deine Seifenoper mit einbauen kannst. Du wirst erstaunt sein, wieviele Leute diese Idee cool finden. 

Jetzt bist du bereits ein Reise-Influencer. Du hast dir eine Fanbase aufgebaut und wildfremde Leute dazu gebracht deine Fanartikel zu kaufen. Das bringt dich nicht nur ein paar Schritte näher an die 100.000 Euro und den Privatjet, du kannst das auch als Nachweis präsentieren, wenn du Firmen fragst, ob sie eine Folge oder gleich die komplette Seifenoper sponsern wollen.

Wie du Firmen auf die richtige Art um Geld bittest

Auch die Zusammenarbeit mit Firmen ist eine Entscheidung, die der Held, also wieder mal du, auf seiner Reise trifft. Und deine Wahl muss weise sein.

Die meisten sogenannten Reise-Influencer sind nur am schnellen Geld oder am Abgreifen von Gratis-Nächten in Luxushotels interessiert.

Echte Reise-Influencer wählen nur Firmen, die perfekt zu ihrer Seifenoper passen. Wer wäre das bei der Weltreise im Privatjet? Zum Beispiel die Anbieter solcher Reisen. Ich würde dort zuallererst anfragen. Auch Luxushotels oder die Tourismusbehörden der Länder, die du auf deiner Weltreise besuchen willst, sind eine gute Wahl. 

Zeige diesen Firmen ganz unverbindlich, was du dir bisher aufgebaut hast und nenne auch den Grund, warum du das machst. Sage ihnen, dass es dich freuen würde, wenn sie in deiner Seifenoper aktiv mitspielen, schließlich geht es in deinen Folgen auch um sie.

Warte aber nicht, bis die Firmen auf dich zukommen. Das wird nicht passieren. Du musst selbst aktiv werden und auf deine Wunschpartner zu gehen. Das gehört zu deinen Aufgaben als Held.

Außerdem hast du mit dieser Methode wieder ein paar Folgen für den elend langen Mittelteil im Kasten. Wenn du Geld von einer dieser Firmen bekommst, ist das ein wichtiger Schritt hin zu deinem Ziel. Das musst du unbedingt dokumentieren. 

Sich um einen Sponsor zu bemühen, oder Firmen anzubieten Werbung in deiner Seifenoper zu schalten, zählt zu den wahnsinnig vielen Wegen, die der Held einschlagen kann, um die nötigen 100.000 Euro für den Flug zusammen zu kratzen. Und deine Zuschauer möchten wissen, ob der Held mit dieser Methode Erfolg hat oder nicht.

Aber wie genau kommuniziert man mit Firmen? 

Zuerst einmal sollte dir klar sein, dass viele Firmen in Deutschland noch nie etwas von Influencer-Marketing gehört haben. Sie sind vielleicht nicht selbst auf Social Media aktiv und sehen für sich keinen Sinn darin. Es ist deine Aufgabe, diesen Firmen zu erklären, was Werbung in deiner Seifenoper bewirken kann und welche Vorteile und Geschäftsmöglichkeiten sich dadurch für die Firma ergeben.

Andere haben es vielleicht mal ausprobiert und sind dabei auf einen der zahllosen Fake-Influencer-Scharlatane hereingefallen und haben dabei viel Geld verloren. So einem Geschäftspartner musst du klar machen, warum es bei dir anders sein wird. Zum Beispiel, indem du ihm zeigst wie treu und kaufwillig deine Fans sind und wie sehr deine Seifenoper auf Privatjets und Luxushotels ausgerichtet ist. Stelle klar, dass nur Menschen, die wirklich an solchen Dingen interessiert sind, deine Seifenoper anschauen.

Dann gibt es noch eine dritte Sorte. Leider. Die Firmen in dieser Kategorie haben eine hohe, meist abfällige  Meinung über Blogger, YouTuber und Instagramer. In den meisten Fällen halten sie diese für dumme Amateure oder Betreiber eines seltsamen Hobbys, die sich leicht über den Tisch ziehen lassen.

Denen musst du klar machen, dass du nicht umsonst arbeitest und nicht an blödsinnigen Gratis-Geschenken oder ähnlichem Mist interessiert bist. In einem seriösen Geschäft wird immer eine Rechnung gestellt. Sag ganz konkret, welche Leistung du bietest und was sie kostet. Bezahlt die Firma nicht, hetzt du ihr ein russisches Inkassobüro oder noch etwas schlimmeres auf den Hals. Zeige keine Gnade mit Bösewichten, die machen das auch nicht. Akzeptiert die Firma deine Bedingungen nicht, kommt sie als Geschäftspartner nicht in Frage, auch wenn sie perfekt zu deiner Seifenoper passen würde und auch, wenn du sie eigentlich gerne magst. Punkt.

Noch eine Sache ist wichtig: Firmen haben bestimmte Gepflogenheiten und Traditionen, was die Kommunikation mit möglichen Geschäftspartnern angeht. Zwei oder drei Dinge solltest du bereits parat haben, bevor du Kontakt aufnimmst:

Eine Pressemappe oder ein Portfolio

Das kann eine PDF-Datei sein, die du für jeden einsehbar auf deiner Webseite veröffentlichst oder eine ausgedruckte Mappe, die du dem gewünschten Geschäftspartner in die Hand drückst oder per Post schickst.

In der Pressemappe stellst du dich und deine Seifenoper vor. Schreib, warum du sie machst, wie viele Folgen sie bereits hat und wie viele Zuschauer sie regelmäßig verfolgen. Das gibt deinem möglichen Geschäftspartner die Möglichkeit abzuschätzen, wie viele Menschen er mit seiner Werbung oder seinem Sponsoring erreichen kann.

Wenn du mit dem Verkauf von T-Shirts an deine Fans Erfolg hattest, gehört das auch unbedingt in die Pressemappe. Es zeigt dem Sponsor, dass dein Publikum kaufwillig ist und bereits Produkte gekauft hat.

Google, Facebook, Instagram und alle anderen sozialen Netzwerke stellen ihren Nutzern Statistiken zur Verfügung, die du in deine Pressemappe einbauen kannst. Damit zeigst zu dem Geschäftspartner, dass du deine Zahlen kennst und nicht nur ein Möchtegern oder Hobbyblogger bist.

Im letzten Abschnitt nennst du ganz konkret deine Preise. Wieviel du verlangen kannst, hängt von mehreren Faktoren ab und ist eine Wissenschaft für sich. Bist du zu günstig, nimmt dich der Geschäftspartner nicht ernst. Bist du zu teuer, winkt er dankend ab.

Suche auf Google nach den marktüblichen Preisen für Influencer-Marketing und halte dich an die Standards. 

Laut der Zeitschrift Werben & Verkaufen, einem bekannten Branchenblatt für Werbefirmen, wird der Preis für Influencer-Marketing als Tausend-Kontakt-Preis (TKP) berechnet.

1.000 erreichte Follower kosten zwischen 2 und 10 Euro

1.000 Views einer Instagram-Story kosten etwa 25 Euro

1.000 Views eines YouTube-Videos kosten zwischen 30 und 100 Euro

In diesen Preisen ist dein Arbeitsaufwand berücksichtigt. Ein YouTube-Video ist aufwendiger zu produzieren als ein einfacher Post auf Instagram.

Damit hast du einen groben Wert. Als weitere Faktoren kommt dein Bekanntheitsgrad im Internet und die Engagement-Rate deiner Follower ins Spiel. Die Bekanntheit kann mit Diensten wie Brandwatch ermittelt werden, die Engagement-Rate verrät Instagram in seinen Statistiken.

Weil deine Seifenoper für ein ganz bestimmtes Publikum gemacht ist, das sich für ganz bestimmte Waren und Dienstleistungen interessiert (Flug mit Privatjet, Übernachtung in Luxushotels,…) und weil du nur die Hersteller und Anbieter dieser Dinge als Geschäftspartner akzeptierst, bietest du damit automatisch eine stark zielgruppenorientierte (= targetierte) Werbung an, die üblicherweise mehr kostet als Streuwerbung nach dem Gießkannenprinzip. 

Wahrscheinlich musst du ein wenig experimentieren, ein paar Absagen kassieren und deine Pressemappe immer wieder überarbeiten, bis es klappt. Und natürlich machst du daraus weitere Folgen deiner Seifenoper. 

Ein Portfolio ist im Prinzip das Gleiche wie die Pressemappe. Nur dass es besonders für kreative Menschen, beispielsweise Fotografen oder Grafiker optimiert ist und ihre Kunstwerke besonders groß und ansehnlich präsentiert.

Vor allem, wenn du auf Instagram veröffentlichst, arbeitest du viel mit Fotos und kleinen Videos. Präsentiere das Beste davon in Groß.

Empfehlungsschreiben und/oder Testimonials

Hast du bereits eine Firma als Geschäftspartner gewonnen und hat diese einen nennenswerten Erfolg mit Werbung in deiner Seifenoper erzielt, wird sie nichts dagegen haben, wenn du sie nach einem Zitat oder anderem Material fragst, das du in deine Pressemappe aufnehmen darfst.

Wichtig ist, dass du vorher fragst! Packe nichts in die Pressemappe, bevor du gefragt hast, vor allem keine Firmenlogos oder andere, urheberrechtlich geschützte Dinge.

Pflege solche Firmen wie einen Schatz und biete ihnen gelegentlich auch mal ein Gratisgeschenk an oder gratuliere dem Geschäftsführer zum Geburtstag. Baue ein freundschaftliches und dauerhaftes Verhältnis zu dieser Firma auf und mache sie zu einem Star in deiner Seifenoper. Das garantiert weitere Werbeschaltungen und Folgeaufträge. Sei dir darüber im Klaren, dass es tausendmal leichter ist einem bestehenden Kontakt etwas zu verkaufen, als einen Neukunden zu gewinnen.

Je mehr Geschäftspartner du hast, die regelmäßig bei dir Werbung schalten, desto schneller sitzt du im Privatjet. Möglicherweise kommt dir der Anbieter der Weltreise sogar mit einem Sonderpreis entgegen, so dass du gar nicht die vollen 100.000 Euro erreichen musst.

Und je mehr Empfehlungsschreiben von Firmen, die erfolgreich bei dir geworben haben, du in deine Pressemappe packen kannst, desto leichter wird das Verkaufen deiner Dienstleistungen an neue Firmen.

Eine Webseite, die wie eine Pressemappe funktioniert

Erzählst du deine Seifenoper nur auf Instagram, brauchst du trotzdem zusätzlich eine Webseite. Auf der präsentierst du nur deine besten Bilder, Texte und Videos und nennst den Grund, warum du diese Seifenoper machst. Erzähle auch, warum sich eine Zusammenarbeit mit dir lohnt.

Diese Webseite soll nicht wie ein Blog aussehen, sie ist nur dazu da Firmen dazu zu bewegen, mit dir Kontakt aufzunehmen. Klar, dass deshalb ein Kontaktformular nicht fehlen darf. Schreib am besten noch deine Telefonnummer dazu.

Hier ein konkretes Beispiel: Vivian und Johannes, das Pärchen auf Weltreise, erzählen ihre Seifenoper auf Instagram. In ihrem Profil findest du den Link zur Webseite jovi-travel.com. Auf dieser Webseite findest du nur Informationen darüber, wer sie sind und mit wem sie bereits zusammengearbeitet haben. Dazu ein Kontaktformular und die Aufforderung “Work with us”. Ihre schönsten Bilder, die sie für ihre Seifenoper auf Instagram geschossen haben, werden groß präsentiert.

Schau dir die Seite an, dann weißt du wie eine Webseite aussehen muss, die wie eine Pressemappe funktioniert.

Bleibt nur noch eines zu tun:

Lebe deinen Traum, egal wie verrückt er ist!

Fange an, deine eigene Seifenoper zu produzieren und deinen größten Traum zu verwirklichen. Nicht morgen und auch nicht wenn die Zeit reif dafür ist. Starte HEUTE! JETZT! SOFORT!

Mache Fehler und lerne aus dieser Erfahrung. Mach dir keine Gedanken darüber, wie du einen perfekten Instagram-Post hinbekommst. Am Anfang interessiert sich keine Sau für dich, du wirst nicht einmal gesehen! Verbessern oder löschen kannst du die unperfekten Beiträge, die du ganz am Anfang deiner Heldenreise veröffentlicht hast, später immer noch.

Ich wünsche dir den größtmöglichen Erfolg.

P.S. Vielleicht interessiert dich mein Kurs über Influencer- Marketing auf Udemy? Er ist schon etwas älter, die gelehrten Grundprinzipien funktionieren aber nach wie vor.

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