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Mit Meilen zahlen

Reise mit Dividenden finanzieren – Klappt das?

Kann man eine komplette Reise mit Dividenden finanzieren? Das wäre so ziemlich die Krönung, oder? Schauen wir uns die Sache mal ein wenig genauer an.

Wieviel kostet die Reise?

Zuerst müssen wir ermitteln, wieviel Geld wir für die Reise erwirtschaften müssen. Der durchschnittliche Preis für eine Pauschalreise liegt bei knapp 3.000 Euro, sagt Tante Google.

Gehen wir von einem normalen Arbeitnehmer aus, der einmal im Jahr in Urlaub fährt, müssen wir demzufolge 3.000 Euro im Jahr mit Dividenden erwirtschaften.

So kannst du die Reise mit Dividenden finanzieren

Weil wir maximale Sicherheit haben möchten, suchen wir uns jetzt eine große Firma, die schon lange auf dem Markt ist, die nicht so schnell pleite gehen wird und die halbwegs vernünftige Dividende zahlt.

Als Beispiel nehme ich jetzt einfach mal den amerikanischen Telekommunikationsanbieter Verizon. Diese Firma bezahlt derzeit eine Dividendenrendite in Höhe von 4,45%, eine einzelne Verizon-Aktie kostet 56,44 US-Dollar, umgerechnet 47,56 Euro.

Quelle: Yahoo Finance

Damit lässt sich etwas anfangen. Ich runde jetzt einfach mal die Beträge ab, damit wir mit geraden Zahlen hantieren können. Wir bekommen 4% Dividende und die Aktie kostet 47 Euro.

Mit Hilfe einer simplen Formel könnt ihr berechnen, wieviel Kapital ihr braucht, um bei einer 4-prozentigen Rendite 3.000 Euro im Jahr zu erwirtschaften:

3.000 : 0,04 = 75.000

Autsch! So viel hat nicht jeder einfach herumliegen. Die Formel deckt sich auch mit unserer Beispiel-Aktie von Verizon.

Pro gekaufter Aktie erhalten wir 1,88 Euro Dividende. Wir müssen demzufolge 1.596 Verizon-Aktien kaufen, um insgesamt 3.000 Euro Dividendenzahlung zu erhalten. Insgesamt bezahlen wir 75.012 Euro dafür.

An den richtigen Stellschrauben drehen

Wir haben keine 75.000 Euro auf dem Konto oder einfach keinen Bock soviel in Verizon reinzubuttern.

Schauen wir einfach mal zur Konkurrenz. AT&T, ebenfalls ein sehr bekannter amerikanischer Telekommunikationsanbieter, zahlt 7,12% Dividende. Noch dazu kostet eine Aktie dieser Firma nur 29,23 US-Dollar, umgerechnet 24,63 EUR.

Quelle: Yahoo Finance

Ich runde für die Formel wieder ab. Wir bekommen 7% Dividende, eine Aktie kostet 24 Euro:

3.000 : 0,07 = 42.857,14

Das klingt schon etwas besser, nicht wahr? Je höher die Dividende ausfällt, desto weniger Startkapital brauchen wir, um eine Reise mit Dividenden finanzieren zu können.

Nicht nur eine Reise, wohlgemerkt. Wenn du das hinbekommst, was wir hier machen, erhältst du die Dividendenzahlung jedes Jahr. Du kannst dir somit jahrzehntelang deine Pauschalreisen finanzieren lassen!

Nachdem wir jetzt wissen, wie wir das zu investierende Startkapital nach unten drücken können, müssen wir einfach nur noch den besten Dividendenzahler finden. Dabei wollen wir aber weiterhin die Sicherheit nicht außer Acht lassen. Mit Google findest du schnell ein paar nette Herren, die dir “garantiert” 20% Dividendenrendite zahlen. Lass die Finger von solchen Angeboten! Dein Geld ist schneller weg, als du “Aktie” sagen kannst.

Schauen wir uns lieber an, was der Finanzmarkt noch zu bieten hat.

Stolze 12% Dividendenrendite!

So genannte Exchange Trading Funds (ETFs) sammeln Aktien zu bestimmten Themen unter bestimmten Kriterien. Du bekommst hier Aktienanteile von mehreren Firmen, die nach bestimmten Gesichtspunkten ausgewählt werden. 

Unser Kriterium lautet: Möglichst hohe Dividende. Wir suchen also nach einem ETF, in dem nur Firmen stecken, die besonders hohe Dividenden zahlen.

Quelle: Yahoo Finance

Ein Beispiel dafür ist der Global X Nasdaq 100 Covered Call ETF. Aus diesem Namen können wir vieles herauslesen. In diesem ETF stecken Firmen aus der ganzen Welt, die an der NASDAQ-Börse gelistet sind und sich im dortigen Ranking auf den ersten 100 Plätzen befinden. Wir reden hier von sehr großen Unternehmen mit wahnsinnig großem Kapital. Covered Call bedeutet, dass dieser ETF zusätzliches Geld erwirtschaftet, indem er Kaufoptionen auf seine Wertpapiere schreibt. Das zu erklären, führt arg weit weg vom Thema, ich verlinke hier einfach mal auf diesen Artikel.

Was uns mehr interessieren sollte, sind die Eckdaten bezüglich Sicherheit und Dividende. Den Global X Nasdaq 100 Covered Call ETF gibt es seit 2016, sein Kurs schwankte in den letzten zwei Jahren immer so zwischen 21 und 23 US-Dollar. Ich schätze das Risiko als gering ein, weil der Kurs wenig schwankt, und weil der ETF nur auf große und bekannte Firmen setzt und schon einige Jahre auf dem Markt ist.

Aus juristischen Gründen muss ich darauf hinweisen, dass ich diesen ETF selbst in meinem Portfolio liegen habe.

Warum? Ganz einfach. Er zahlt satte 11,99% Dividende! Runden wir das einfach mal auf 12% und jagen wir das Ganze durch unsere altbekannte Formel:

3.000 : 0,12 = 25.000

Jetzt rückt der dividendenfinanzierte Pauschalurlaub gewaltig näher, was? Wir haben gerade die Investitionskosten um 50.000 Euro nach unten gedrückt, ohne das Risiko nennenswert zu erhöhen. Und das war noch immer nicht das Ende der Fahnenstange!

Es geht noch einiges mehr…

Der absolute Spitzenreiter bei den Dividenden-ETFs nennt sich Columbia Research Enhanced Value ETF. Er lockt Anleger mit komplett irrsinnigen 19,97% Dividendenzahlung! Der Preis für diesen ETF beträgt derzeit 20,35 US-Dollar.

Dieses Wertpapier habe ich noch nicht in meinem Portfolio, ich will erst noch mehr darüber herausfinden, um das Risiko besser einschätzen zu können.

Zum Spaß jage ich es trotzdem durch unsere Formel, rechne wie üblich Beträge in Euro um und runde, wo es nötig ist.

3.000 : 0,2 = 15.000

So viel Geld haben viele Leute auf ihrem Sparkonto herumliegen. Viele Aktien-Broker bieten auch die Möglichkeit über einen Sparplan monatlich Geld einzuzahlen. So kannst du dir die Summe nach und nach aufbauen.

15.000 Euro für eine Pauschalreise wäre natürlich ein bisschen arg viel. Vergiss aber nicht, dass du die Dividenden jedes Jahr bekommst und dass diese auch generiert und ausbezahlt werden während du am Strand liegst und eine Pina Colada schlürfst.

Ändert sich der Durchschnittspreis für eine Pauschalreise in den nächsten Jahren nicht, hättest du nach 5 Jahren den “Break Even” erreicht. Mit 5 durch Dividenden bezahlten Pauschalreisen hast du die 15.000 Euro wieder herein gewirtschaftet.

Wäre da nicht noch… das Finanzamt 🤢

Eines müssen wir noch berücksichtigen: Dividenden sind erwirtschaftetes Einkommen und damit steuerpflichtig. Du zahlst grundsätzlich 25 % Abgeltungssteuer, plus 5,5% Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls auch noch Kirchensteuer. Rechne damit, dass du in Bayern und Baden-Württemberg insgesamt 27,82 % inklusive Kirchensteuer berappst, in den restlichen Bundesländern kostet der Spaß 27,99 %.

Da wir 3.000 Euro erwirtschaften, zahlst du

  • in Bayern und Baden-Würtemberg 834,60 Euro Steuer
  • im restlichen Deutschland 839,70 EUR Abgeltungssteuer

Das ist natürlich ein ziemlicher Hammer. Die nehmen dir fast ein Drittel deines Einkommens. Der Broker führt die Steuer direkt an das Finanzamt ab, du kannst nichts dagegen tun.

Jetzt hast du zwei Möglichkeiten: Entweder du speckst deinen Urlaub ein wenig ab und suchst dir eine Reise, die nur 2.165,40 beziehungsweise 2.160,30 Euro kostet oder du erhöhst dein investiertes Kapital, um die Steuer aufzufangen und doch wieder auf 3.000 Euro Verdienst zu kommen.

Was wir auch noch nicht berücksichtigt haben, sind die Handels- und Wechselgebühren des Aktienbrokers. Ich selbst bin bei DeGiro, da zahle ich keine Monatsgebühren. Ein Trade, also ein Kauf oder Verkauf, kostet im Durchschnitt 2 Euro. Die Wechselgebühren bei ausländischen Aktien richten sich nach dem marktüblichen (schwankenden) Preis. Rechne für all das einfach mal großzügig 50 Euro ein, wenn du dein Portfolio komplett neu aufbaust.

Weil es bei der hier vorgestellten Dividenden-Strategie nicht um ständiges Kaufen und Verkaufen geht, fallen die meisten Broker-Gebühren nur am Anfang an, wenn du dir dieses System einrichtest. Läuft es, musst du eigentlich nur noch Wechselgebühren zahlen, wenn das Dividenden-Geld von Dollar in Euro umgewandelt wird. Das sind aber Peanut-Beträge.

Die Sache endet – mit dem allgemeinen Disclaimer

Wenn man über Wertpapiere schreibt, muss man auf die damit verbundenen möglichen Risiken hinweisen und auch darauf, ob man selbst diese Wertpapiere hält.

Von allen hier vorgestellten Aktien und ETFs halte ich nur den Global X Nasdaq 100 Covered Call ETF im eigenen Portfolio.

Wertpapiere jeglicher Art enthalten grundsätzlich ein Risiko, im schlimmsten Fall kannst du dein gesamtes Geld verlieren. Mindern kannst du das Risiko, indem du nicht nur auf ein einzelnes Wertpapier setzt, sondern besser verschiedene kaufst, die Verluste gegenseitig abfedern können.

Die NASDAQ ist ein Sonderfall unter den Börsen. Hier handeln nur Computer, keine Menschen. Ein Hacker könnte sich dort einschleichen und die Kurse manipulieren. Es könnte auch einfach der Strom ausfallen, so dass du nicht mehr an dein Geld kommst.

Wertpapiere aller Art sind Kursschwankungen ausgesetzt und Dividenden können gestrichen werden. Es gibt also keine Garantie für nichts. Kaufst du Aktien eines Unternehmens und geht es diesem Unternehmen schlecht, wird es als erstes die Dividende kürzen oder komplett streichen. Dann kannst du die Aktien entweder im Portfolio liegen lassen und hoffen, dass sich die Situation wieder bessert oder du verkaufst sie und suchst dir einen neuen Dividendengeber. Dummerweise ist auch der Aktienkurs im Keller, wenn es der Firma schlecht geht. Du müsstest in diesem Fall für weniger verkaufen als du bezahlt hast und machst Verlust.

Wie kannst du das Risiko mindern? Am besten durch eine profunde Finaanzbildung, die du dir auf diesem Blog oder aus Büchern wie diesen hier aneignen kannst. Hilfreich ist auch die Diversifikation, also das Verteilen des Vermögens auf verschiedene Wertpapiere.

Jetzt ist dem Gesetz hoffentlich Genüge getan. Bleibt nur noch zu wünschen, dass du dir mehr als nur eine Reise mit Dividenden finanzieren kannst.

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