Kategorien
Allgemein

Im Jahr 2021 müssen wir uns darauf konzentrieren, WIE wir reisen, nicht wohin

Startseite » Allgemein » Im Jahr 2021 müssen wir uns darauf konzentrieren, WIE wir reisen, nicht wohin

Die Corona-Pandemie verändert die Tourismusindustrie und auch die Art wie wir in Zukunft reisen. Wir haben im Moment alle viel Zeit darüber nachzudenken, was uns wirklich wichtig ist und wie unsere Zukunft aussehen soll.

Ganz egal, wo auf der Welt wir uns befinden – wir sind alle mit den gleichen Ängsten und Unsicherheiten konfrontiert. Wir denken viel mehr über unsere Gesundheit und unser Wohlbefinden nach und darüber, was Nachhaltigkeit und Widerstandsfähigkeit wirklich bedeuten.

Natürlich denken wir auch über das Reisen nach. Wenn plötzlich die Reisefreiheit eingeschränkt wird, erkennen wir welches Privileg das Reisen ist. Und auch darüber, auf welche Art wir in Zukunft reisen möchten. Muss es wirklich das klimaschädliche Flugzeug sein? Muss ich wirklich mit drei Millionen anderen Leuten am Strand liegen und sündhaft teure Sehenswürdigkeiten besuchen, nur um auf Instagram zu glänzen oder nur weil der Eiffelturm einfach zum Urlaub in Paris gehört? 

Was sind die Alternativen zum Massentourismus? Wo gibt es noch echte Abenteuer, die nicht in jedem Reiseführer stehen? Wie kann ich umweltfreundlicher reisen?

Ich denke, wir werden uns in Zukunft stärker auf das Wie konzentrieren, weniger auf das Wohin. Ich stelle mir das Reisen im Jahr 2021 und darüber hinaus so vor:

Slow Travel schafft zwischenmenschliche Beziehungen

Seit März 2020 hören wir ständig “Abstand halten!” und “Social Distancing”. Die Masken nehmen sämtliche Emotionen aus den Gesichtern, jeder sieht damit gleich doof aus. Wir dürfen Freunde und Familie nicht sehen, es gibt kein Kino, keine Partys, keine anderen Dinge, die Freude machen.

Deshalb sehnen wir uns wie nie zuvor nach zwischenmenschlichen Beziehungen. Wir möchten unsere Zeit wieder mit Freunden und der Familie verbringen. Und auch neue Menschen kennenlernen. Wir wollen echte Kontakte, keine Social Media Follower.

Langsames reisen ermöglicht genau das. Anstatt wie ein Irrer durch die Gegend zu laufen, um möglichst viele Sehenswürdigkeiten abzuhaken, bucht der Slow Traveller für seine Familie eine Ferienwohnung, die als gemeinsame Basis genutzt wird. Die Kosten werden geteilt. In dieser Wohnung kann man nicht nur gemeinsam Kaffee trinken und reden oder vor dem Haus grillen, man kann auch gezielt an lokalen Erlebnissen teilnehmen und den Kontakt zu Einheimischen suchen.

Das Ziel bei dieser Art des Reisens heißt Gemeinsamkeit, nicht Kilometer fressen. Man sieht weniger und erlebt dafür mehr.

Abgesehen davon schont Slow Travel die Umwelt und auch den Geldbeutel. Ich senke meine Reisekosten häufig um 80 Prozent, nur weil ich mich für Slow Travel entscheide. Wenn es auch noch das Klima schont, umso besser. 

Ab in die Wildnis!

Der Staat verbietet Gemeinschaftssport, die Fußball-Stadien bleiben geschlossen. Das einzige, was wir noch dürfen, ist alleine im Wald spazieren gehen.

Dabei entdecken die Menschen, dass die Natur etwas tolles ist und dass Waldspaziergänge das Immunsystem stärken. Sie sind im Moment der beste Schutz gegen das Virus. Wir sehen auch, dass sich die Natur erholt, weil die Industrie still steht. Der Himmel leuchtet blauer als vorher, die Farben sind viel intensiver.

Abgesehen davon haben Zelten und Camping schon immer die zwischenmenschlichen Beziehungen gefördert, nach denen wir uns jetzt sehnen.

Ich denke, dass Outdoor-Aktivitäten nach Corona einen gewaltigen Boom erleben werden. Schon jetzt kann kaum jemand dem Lockruf der Natur widerstehen. Wie wird das erst, wenn die Reisefreiheit zurückkehrt?

Endlich wieder raus, endlich weg vom Computer, hinaus in die Wildnis. Wir waren lange genug eingesperrt!

Reisen wann, wie, wohin und so lange ich will

Corona hat auch die Arbeitswelt verändert. Viele Menschen lernten zwangsweise das Home-Office kennen. Sie lernten, dass man nicht im Büro der Firma sitzen muss, um seine Arbeit zu erledigen.

Warum den Gedanken nicht ein wenig weiter denken? Wenn ich nicht gezwungen bin an einem bestimmten Ort zu arbeiten, kann ich mir dann nicht den Ort selbst aussuchen? Das Hygiene-Gesetz schreibt nur vor, dass ich nicht innerhalb der Firma arbeiten darf, weil ich da jemanden anstecken könnte. Deshalb wird die Arbeit im Home Office erledigt. Es schreibt aber niemand vor, dass dieses Home Office ausgerechnet mein Wohnzimmer sein muss. Könnte ich nicht auch im Starbucks um die Ecke arbeiten? Oder am Strand?

Digitale Nomaden machen das schon lange so und es wird mit Sicherheit andere Leute geben, die ebenfalls auf diese Gedanken kommen. 

Die Tourismusindustrie stellt sich verstärkt darauf ein und entwickelt immer mehr Angebote für Menschen, die nicht nur reisen sondern auch von unterwegs arbeiten wollen.

Das Reisen an sich wird dadurch persönlicher, individueller und mehr maßgeschneidert. Pauschalreisen von der Stange eignen sich nicht für diese Art des Reisens. 

Kommt das Ende des Massentourismus?

So lange wir uneingeschränkt reisen konnten, hat niemand über die Folgen unseres Handelns nachgedacht. Mit Ryanair für fünf Euro nach Barcelona? Super! Her damit! Scheiss auf die Umwelt!

Die Einwohner von Barcelona bekamen die Folgen des Massentourismus zu spüren. Überall verdreckte und verstopfte Straßen. Touristen, die sich aufführen wie die letzten Drecksäue. Es ging so weit, dass die Stadtbewohner Schilder und Transparente mit der Aufschrift “Tourists go home!” aufhängten.

Jetzt sind die Touristen weg. Und die Einwohner müssen teilweise von Hilfsorganisationen versorgt werden, weil sie ihre Jobs verloren haben. Die Kassen der Stadt sind leer. 

Das ist die andere Seite der Medaille. Barcelona ist zu 90 Prozent vom Tourismus abhängig. Ohne Tourismus ist die Stadt zum Sterben verurteilt, eine Alternative hat sie nicht.

Jetzt, nachdem das System heruntergefahren ist, überlegt sich die Reiseindustrie, wie der Tourismus in Barcelona und vielen anderen Orten in Zukunft aussehen könnte. Einerseits sollen die Einheimischen wieder vom Tourismus leben können, andererseits will man die asozialen Horden von Sauftouristen nicht mehr. 

Es ist durchaus möglich, dass Fliegen in Zukunft teurer wird, um den Massentourismus einzudämmen. Dass Reisen wieder zu einem Privileg wird, das sich nicht jeder leisten kann.

Wenn das kommt, werden sich die Menschen mit wenig Geld nähere Ziel suchen und auf andere Transportmittel wie Bus und Bahn umsteigen. Die Tourismus-Ströme werden sich anders verteilen, was möglicherweise die Auswüchse des Massentourismus eingrenzt.

Manche Reisende werden sich lieber etwas besseres gönnen, als das überfüllte Strandhotel auf Mallorca. Wie wäre es mit einer Fünf-Sterne-Finca im Inland, die nicht viel mehr kostet? Weil ohnehin Familienurlaub auf dem Plan steht, teilt man sich die Kosten und erlebt eine völlig neue Zeit auf der Balearen-Insel.

Mehr Sport und Fitness inklusive

Unsere Muskeln sind eingerostet. Kein Wunder nach sieben Monaten mit eingeschränkter Bewegungsfreiheit. Deshalb werden sehr viele Menschen nach Sportmöglichkeiten im Urlaub suchen, wenn sie endlich wieder reisen dürfen.

Ausgiebig wandern, Fahrrad fahren und Paddeln – schon wieder Aktivitäten, die das Zwischenmenschliche fördern. Davon träumen sehr viele im Moment.

Die Zukunft des Reisens wird mit Sicherheit eine kräftige Prise Outdoor-Aktivitäten enthalten. Wir wissen, dass Sport gesund ist und sind uns darüber bewusst geworden, wie wichtig die eigene Gesundheit ist.

Reisen ab dem Jahr 2021 wird tiefere und bedeutende Verbindungen schaffen – zur Natur, zu Einheimischen, zu Freunden und Familie und auch zu uns selbst. Wir werden aktiver und gesünder leben und gleichzeitig die Umwelt schonen. Wir werden bestehende Freundschaften vertiefen und neue schließen. Wir werden nicht mehr wie die Sardinen ins Flugzeug gequetscht sitzen und neue, fantastische Abenteuer erleben, nur indem wir die Art der Unterkunft oder des Transportmittels ändern. Und wir werden länger reisen können, weil wir die Arbeit unterwegs erledigen.

Die Zukunft ist gar nicht so übel, oder?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*

code