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Welches soziale Netzwerk bringt Anfängern wirklich den meisten Traffic?

Social Media

Ich starte gerade ein neues Projekt und dachte mir, das ist eine gute Gelegenheit auszuprobieren, welche sozialen Netzwerke im Jahr 2021 wirklich funktionieren und einem blutigen Anfänger tatsächlich Traffic bringen.

Klar, ich könnte diese Frage googeln und finde sofort zehntausend Antworten. Das Problem ist, dass viele der “todsicheren Tipps”, die überall im Web herumschwirren, entweder veraltet oder nur von anderen abgeschrieben sind.

Was ich will, sind Zahlen und Fakten. Messbare Ergebnisse, die wirklich zeigen, welche Plattformen Traffic bringen und welche nicht. Deshalb habe ich für das Projekt brandneue Accounts auf diversen sozialen Netzwerken eingerichtet, überall ein bisschen was gepostet und geschaut, wie viele Likes, Klicks und Follower ich bekommen habe.

Das Ergebnis hat mich wirklich überrascht…

Alle möchten Tik Tok werden

Bevor ich euch die Zahlen präsentiere, will ich kurz erklären, was gerade in der Welt der Social Media-Plattformen abläuft. Das hilft euch, meine gewählte Strategie besser zu verstehen.

Die Betreiber von YouTube, Facebook und Instagram sind irgendwann geldgierig geworden. Sie schränken die Reichweite eurer Posts künstlich ein, um euch dazu zu bringen Werbung zu schalten. Anders gesagt, ihr sollt dafür zahlen, dass eure Beiträge gesehen werden.

Und dann kam Tik Tok. Dort konnte man kurze Videos posten und sie wurden von Millionen Menschen gesehen, weil es keine Einschränkung der Reichweite gab. Innerhalb weniger Monate wanderte ein Großteil der Nutzer von den alteingesessenen Plattformen zu Tik Tok.

Gier frisst bekanntlich Hirn, deshalb verstanden die Betreiber von YouTube, Facebook und Instagram nicht, was da gerade ablief. Weil sie ihre Nutzer nur als dummes und hoffentlich zahlungskräftiges Klickvieh betrachten, kamen sie in ihren schnell einberufenen Business- und Strategie-Meetings nicht auf die Idee, dass niemand dafür zahlen will, Tante Erna die letzten Urlaubsfotos zu zeigen.

Wenn man nicht zugeben will einen Fehler gemacht zu haben, schiebt man die Schuld anderen in die Schuhe oder fängt gleich einen offenen Krieg mit dem Gegner an. Die alten, immer noch mächtigen Plattformen versuchten mehrmals Tik Tok aufzukaufen. Als das nicht klappte, schickte man zuerst die eigenen Anwälte und später sogar Donald Trump los, der sich immer gerne für Hetzkampagnen gegen China einspannen ließ.

Nichts davon half. Tik Tok setzte völlig unbeirrt seinen Weg nach oben fort und gehört heute zu den beliebtesten Apps. Über 800 Millionen Menschen nutzen täglich dieses neue Schreckgespenst, das irgendwann mal musical.ly hieß und irgendwann später von den Chinesen aufgekauft und in Tik Tok umgetauft wurde.

Vor lauter Verzweiflung fingen die Betreiber von YouTube, Facebook und Instagram an, die Kriegsstrategien großer Feldherren zu studieren und zwangen sich sogar Machiavelli zu lesen. In dessen Büchern fanden sie eine Strategie, die Tik Tok zurückdrängen soll, die irgendwie cool klingt  und außerdem schnell umsetzbar ist:

Wenn du den Feind nicht besiegen kannst, kopiere einfach seine Strategie

Bingo! Das ist es! Wir machen das Gleiche wie Tik Tok, dann hat das Klickvieh keinen Grund mehr die Plattform zu wechseln.

Es wurde Zeit, mal wieder die Hausregeln zu ändern. Der Chef von Instagram machte seinen Nutzern auf Twitter klar, dass ab sofort keine Bilder mehr gepostet werden sollen. Stattdessen sollen die Nutzer gefälligst kurze, lustige Videos im vertikalen Bildformat posten, die man bei Instagram “Reels” nennt.

Facebook drehte bei den Stories den Regler für die Reichweite nach oben, so dass es plötzlich Sinn machte Storys zu posten. Und was sind Stories? Kurze, lustige Videos im vertikalen Bildformat.

YouTube versprach seinen verbliebenen Nutzern sofort mehr Reichweite, wenn sie anfangen #shorts zu posten. Ihr könnt euch denken, was damit gemeint ist: Kurze, lustige Videos im vertikalen Bildformat.

Natürlich ließ der Gegenschlag von Tik Tok nicht lange auf sich warten. Veröffentlichst du dort ein Video, kannst du es herunterladen oder sofort auf den anderen Plattformen teilen. Intelligenterweise macht Tik Tok dabei ein Wasserzeichen in den Film, das die Nutzer zurück auf die eigene Plattform lenkt.

Das soll als Einführung genügen. Kommen wir jetzt zu den Ergebnissen, die ich als totaler und blutiger Anfänger unter Berücksichtigung der aktuellen Lage innerhalb einer Woche auf den verschiedenen Social Media-Plattformen erzielen konnte:

Tik Tok – Alles oder nichts

Starten wir mit dem Original, die ganzen Kopierer kommen später dran. Ich habe auf Tik Tok bis jetzt 8 Videos veröffentlicht. Was mir dabei besonders auffällt ist, dass sie entweder viele oder keinen einzigen Klick bekommen. Hier gilt offensichtlich das Alles-oder-Nichts-Prinzip.

Damit ich, wie bei Instagram, einen Link zu meiner Kunstgalerie in die Bio einfügen kann, habe ich den Account in einen Business-Account umgewandelt. Normale Profile dürfen auf Tik Tok keinen Link in der Bio haben.

Ich bekam zwei Follower und weil die nicht gleich wieder abgesprungen sind, gehe ich davon aus, dass ihnen meine Inhalte gefallen. Geliked wurden meine Videos 45 mal. Drei Videos bekamen um die 500 Views, mein erster Film erhielt einen, der Rest ging leer aus.

Was mir noch auffiel ist, dass die Videos Spätzünder sein können. Ein Film erhielt zwei Tage lang keinen einzigen View, dann wurde er plötzlich von den Nutzern entdeckt und endete mit 499 Views.

Einen viralen Hit, der ein paar Millionen mal angesehen wurde, brachte ich nicht zustande. Tik Tok ist inzwischen genauso überlaufen wie die anderen Plattformen und der Geschmack der Nutzer unmöglich vorhersehbar. Die meisten Nutzer sind Jugendliche, vielleicht finden die Kunst einfach zum Kotzen. 

Ich habe auch mein eigenes Verhalten studiert. Auf Tik Tok scrollt man sich einfach durch die Videos. Nur solche, die wirklich auffallen, schaut man sich bis zum Ende an. Was mir dabei so gut wie nie in den Sinn kam, war nachzusehen wer den Film hochgeladen hat. Diese Information steht unter dem Film, an der Stelle wo normalerweise nie jemand hinguckt. Deshalb ist mir noch nicht ganz klar, wie ich auf dieser Plattform jemals Follower sammeln soll.

Instagram – Reels bringen wirklich Views

Weil normale Posts kaum etwas bringen, delegierte ich das Veröffentlichen solcher Beiträge an Later.com, einen kostenlosen Scheduler, der neben Instagram zahlreiche andere Plattformen versorgt.

Ich selbst kümmerte mich nur noch um die Reels. Auch hier veröffentlichte ich acht Filme, die natürlich die gleichen waren wie auf Tik Tok. Die Views können sich durchaus sehen lassen. Das erfolgreichste Werk bekam 3.790 Views, das Schlusslicht wurde immerhin fünfzehn mal angeschaut. Die für Instagram wichtige Engagement-Rate stieg um stolze 163 %.

Für die erste Woche sieht schon ganz ordentlich aus

Neue Follower habe ich insgesamt nur drei bekommen. Es waren zu Spitzenzeiten 20, aber wer Instagram kennt, weiß, dass dort viele Bots und auch Nutzer unterwegs sind, die einem folgen und sofort wieder entfolgen. Diesen Datenmüll will ich natürlich nicht in meine Auswertung mit einbeziehen.

Instagram eignet sich, soweit ich es sehen kann, weiterhin für den schnellen Aufbau einer Fangemeinde, aber nur wenn du viele Reels veröffentlichst.

Facebook – Es hat sich nichts geändert

Weil sich Instagram gut mit Facebook verknüpfen lässt, habe ich dort eine neue Fanpage für mein Kunstprojekt eingerichtet.

Normale Posts wurden dort von durchschnittlich 7 Nutzern gesehen. Nicht gerade ein Raketenstart. 

Stories kann man seltsamerweise gar nicht auf der Fanpage posten, so dass die neue Möglichkeit Follower zu gewinnen, gar nicht genutzt werden kann. Ich habe die kurzen, lustigen Videos im vertikalen Bildformat einfach auf meinem normalen Profil gepostet. Der Spitzenreiter bekam 48 Aufrufe, das Schlusslicht 22. Neue Follower bekam ich keinen einzigen.

Schon seit einigen Jahren sind Gruppen und Stories auf Facebook die einzige Möglichkeit wenigstens ein bisschen Sichtbarkeit zu bekommen. Aber ganz ehrlich, ich komme mir auf dieser Plattform immer noch vor als würde ich mit einer Wand reden. Sozial ist Facebook schon lange nicht mehr. 

Verknüpfe als Anfänger das Ding einfach mit deinem Instagram-Account und sorge dafür, dass deine Posts automatisch auf beiden Plattformen veröffentlicht werden. Ansonsten kannst du Facebook unter “Set and forget” einordnen.

YouTube – Ziemlich falsche Gerüchte unterwegs

Vermutlichen YouTube selbst gestreut, kursiert gerade das Gerücht, dass der Dienst im Moment kurze, lustige Videos im vertikalen Bildformat – dort heißen die Dinger #shorts – besonders gerne sieht (weil er wie alle anderen unbedingt das neue Tim Tok werden will) und ihnen enorme Reichweite zugesteht.

Tatsächlich gibt es einige Accounts, die nur noch #shorts posten und sich damit ein Millionenpublikum aufbauen konnten.

So einfach, wie die Social Media Gurus behaupten, scheint das Ganze aber nicht zu sein. Bei mir war nur ein einziger #short halbwegs erfolgreich. Heute vormittag hatte das Ding über 400 Views, aber YouTube ändert seine Statistiken gerne zwischendurch. In der Zeit zwischen diesen Text schreiben und den Screenshot machen sank die Zahl der Views auf 382.

Wo zum Teufel bleibt die Förderung?

Alle anderen Filmchen, darunter das auf Instagram über 3.000 mal aufgerufene, bekamen so gut wie keine Views. Geliked und geteilt wurde gar nichts, folgen will mir auch noch niemand.

Bis auf einen Ausreisser kann ich nirgendwo erkennen, dass YouTube die Shorts besonders fördert oder bevorzugt. Wenn dir jemand etwas anderes erzählt, lauf weg so weit du kannst! Der will dir nur seinen supertollen YouTube-Kurs verkaufen.

Pinterest – Kein einziger Klick!

Pinterest war schon immer der seltsame Eigenbrötler, den keiner so richtig versteht. Ich auch nicht. Dementsprechend vernichtend sieht die Statistik auf dieser Plattform aus. Kein Klick, kein View, nichts.

Der Fairness halber muss ich einräumen, dass Pinterest wahnsinnig lange mit dem Auswerten braucht und dass die dort sehr übersichtlich gestalteten Statistiken oft tagelang gar nichts anzeigen.

Vielleicht hat der dort für die Statistiken zuständige Mensch meine Klicks und Views einfach noch nicht ausgewertet. Vielleicht funktioniert einfach das Thema Kunst nicht auf dieser Plattform.

Im Moment bleibt Pinterest für mich ein Buch mit sieben Siegeln und ich würde keinem Anfänger raten sich auf dieses seltsame Ding einzulassen.

Twitter – Gemischte Gefühle

Auf Twitter kann ich zumindest einen Fehler benennen, den ich bei der Nutzung der Plattform bewusst mache. Um dort aufzufallen, müsste ich spätestens alle zehn Minuten einen neuen Tweet raushauen. Mit so einem Gedanken kann ich mich nicht anfreunden, ich lasse auch diese Plattform automatisch von Later.com bestücken. In der kostenlosen Version von Later bedeutet das, dass ich einen Tweet pro Tag rausknalle, mehr nicht.

Immerhin, für meinen geringen Arbeitseinsatz schlägt sich die Plattform besser als Pinterest. Der schlechteste Beitrag erhielt 7 Views, der beste 121. Geliked oder retweetet wurde gar nichts von dem Zeug, Follower bekam ich auch keinen. Das wäre wohl etwas zuviel verlangt gewesen.

Ich räume Twitter durchaus die Möglichkeit ein, dass du dir dort als Anfänger schnell eine Fangemeinde aufbauen kannst. Allerdings musst du dich hier an den Gedanken intensiver Akkord-Arbeit gewöhnen und dich der Plattform mit Haut und Haaren opfern. Für mich ist das nichts, allein der bloße Gedanke an Akkordarbeit verursacht mir nervöse Zuckungen, Krämpfe und Schüttelfrost. Ich lasse es einfach mal nebenher mitlaufen, große Hoffnungen setze ich aber nicht in diesen Dienst.

LinkedIn – Eher nicht so der Brüller

Eigentlich ist LinkedIn nichts für Künstler. Es ist für Geschäftsleute gedacht, die Kontakte knüpfen möchten oder einen neuen Job suchen. Ich belästige diese Plattform nur mit meinem Zeug, weil Later.com sie automatisch mitversorgt.

Wie bei Twitter gibt es unter jedem veröffentlichten Beitrag ein Symbol, über das man die Statistiken für den Beitrag aufrufen kann. Allerdings zeigt LinkedIn dieses Symbol erst, wenn mindestens zehn Leute den Beitrag gesehen haben. 

Weil ich trotz intensiver Suche das Symbol bei meinen Beiträgen nirgendwo finden konnte, gehe ich davon aus, dass ich die geforderte Mindestzahl nicht geschafft habe. Ich hatte somit weniger als zehn Klicks und oder Views.

Immerhin machte sich jemand die Mühe mich zu kontaktieren. Die Frau faselte irgendwas unverständliches über ein MBA Programm der Financial Times, aber hey! Es war immerhin ein erster Kontakt.

Als Anfänger solltest du wissen, dass LinkedIn stark auf Business spezialisiert und deswegen kein normales soziales Netzwerk ist – auch wenn sie gerade anfangen Tik Tok zu kopieren. Wenn du einen Job suchst oder zu diesen Powerpoint-Fritzen gehörst, die im Business-Meeting glänzen müssen, kannst du dir das Ding gerne anschauen. Zum künstlerischen Bespaßen des Publikums eignet sich die Plattform nicht.

Für mich ist LinkedIn immer so ein Ding, das man irgendwie haben will, weil es dem eigenen Ego eine gewisse Seriosität verschafft. Ich werde mal versuchen, hier die Besitzer von namhaften Kunstgalerien anzuschreiben. Sollte ich dort jemals Follower bekommen, wird es sich dabei mit höchster Wahrscheinlichkeit nur um geschäftliche Kontakte handeln, die einem bestimmten Zweck dienen. Fans muss ich mir woanders suchen.

Die spannende Frage: Wie viel Traffic hat es gebracht?

Nachdem wir die verschiedenen sozialen Plattformen betrachtet und ausgewertet haben, können wir uns jetzt der spannensten – und eigentlich einzig wichtigen – Frage widmen: Wie viele der Klicker, Viewer und Follower haben sich die Mühe gemacht auf meinen Link zur Kunstgalerie zu klicken, wo man die Kunstwerke kaufen kann?

Um Messwerte zu erhalten, habe ich den Link mit bit.ly gekürzt, weil dieser Dienst eine Analyse-Funktion bietet. Den gekürzten Link habe ich dann überall dort auf den sozialen Plattformen platziert, wo es möglich und erlaubt war.

Das Ergebnis: 10 Klicks. Bit.ly kann leider nur mit Instagram wirklich etwas anfangen, daher weiß ich,dass 3 Klicks von dieser Plattform kamen. Der ganze traurige Rest wurde unter “Email, SMS, Direct” zusammengefasst.

Da sind sie, die wahren Interessenten…

Das ist ein bisschen schade, mich hätte durchaus interessiert, wie viele Nutzer von welcher Plattform genau kamen. Immerhin erfuhr ich, dass 8 Nutzer aus Deutschland stammen, einer aus den USA und ein weiterer aus Finnland. 

Natürlich habe ich nach einer Woche keinen rauschenden Besucheransturm erwartet. Die paar Nutzer, die tatsächlich auf den Link geklickt haben, waren vermutlich einfach nur neugierig. Es wird noch viele Klicks, Likes und Follower brauchen, bis der erste Verkauf eines meiner neuen Kunstwerke zustande kommt. Denn selbst wenn ich tausend Leute auf die Galerieseite locke, heißt das nicht, dass sich unter diesen Tausend ein tatsächlich interessierter Käufer befindet.

Ab diesem Punkt beginnt ein simples Zahlenspiel. ich bestücke die sozialen Netzwerke weiter mit Inhalten und vor allem mit kurzen, lustigen Videos im vertikalen Bildformat. Je mehr Leute diese Inhalte sehen, desto wahrscheinlicher ist es, dass ein neuer Follower unter ihnen ist. Vor allem bei den Followern ist es wahrscheinlich, dass diese auf meinen Galerie-Link klicken. Habe ich viele Follower gesammelt, die tatsächlich auf den Link klicken, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass sich jemand darunter befindet, der zumindest eine Kaufabsicht hegt. Habe ich viele Leute mit Kaufabsicht, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass sich jemand darunter befindet, der tatsächlich etwas kauft.

Mal schauen, wie das alles enden wird. Ich halte euch auf alle Fälle auf dem Laufenden.

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Reise mit Dividenden finanzieren – Klappt das?

Kann man eine komplette Reise mit Dividenden finanzieren? Das wäre so ziemlich die Krönung, oder? Schauen wir uns die Sache mal ein wenig genauer an.

Wieviel kostet die Reise?

Zuerst müssen wir ermitteln, wieviel Geld wir für die Reise erwirtschaften müssen. Der durchschnittliche Preis für eine Pauschalreise liegt bei knapp 3.000 Euro, sagt Tante Google.

Gehen wir von einem normalen Arbeitnehmer aus, der einmal im Jahr in Urlaub fährt, müssen wir demzufolge 3.000 Euro im Jahr mit Dividenden erwirtschaften.

So kannst du die Reise mit Dividenden finanzieren

Weil wir maximale Sicherheit haben möchten, suchen wir uns jetzt eine große Firma, die schon lange auf dem Markt ist, die nicht so schnell pleite gehen wird und die halbwegs vernünftige Dividende zahlt.

Als Beispiel nehme ich jetzt einfach mal den amerikanischen Telekommunikationsanbieter Verizon. Diese Firma bezahlt derzeit eine Dividendenrendite in Höhe von 4,45%, eine einzelne Verizon-Aktie kostet 56,44 US-Dollar, umgerechnet 47,56 Euro.

Quelle: Yahoo Finance

Damit lässt sich etwas anfangen. Ich runde jetzt einfach mal die Beträge ab, damit wir mit geraden Zahlen hantieren können. Wir bekommen 4% Dividende und die Aktie kostet 47 Euro.

Mit Hilfe einer simplen Formel könnt ihr berechnen, wieviel Kapital ihr braucht, um bei einer 4-prozentigen Rendite 3.000 Euro im Jahr zu erwirtschaften:

3.000 : 0,04 = 75.000

Autsch! So viel hat nicht jeder einfach herumliegen. Die Formel deckt sich auch mit unserer Beispiel-Aktie von Verizon.

Pro gekaufter Aktie erhalten wir 1,88 Euro Dividende. Wir müssen demzufolge 1.596 Verizon-Aktien kaufen, um insgesamt 3.000 Euro Dividendenzahlung zu erhalten. Insgesamt bezahlen wir 75.012 Euro dafür.

An den richtigen Stellschrauben drehen

Wir haben keine 75.000 Euro auf dem Konto oder einfach keinen Bock soviel in Verizon reinzubuttern.

Schauen wir einfach mal zur Konkurrenz. AT&T, ebenfalls ein sehr bekannter amerikanischer Telekommunikationsanbieter, zahlt 7,12% Dividende. Noch dazu kostet eine Aktie dieser Firma nur 29,23 US-Dollar, umgerechnet 24,63 EUR.

Quelle: Yahoo Finance

Ich runde für die Formel wieder ab. Wir bekommen 7% Dividende, eine Aktie kostet 24 Euro:

3.000 : 0,07 = 42.857,14

Das klingt schon etwas besser, nicht wahr? Je höher die Dividende ausfällt, desto weniger Startkapital brauchen wir, um eine Reise mit Dividenden finanzieren zu können.

Nicht nur eine Reise, wohlgemerkt. Wenn du das hinbekommst, was wir hier machen, erhältst du die Dividendenzahlung jedes Jahr. Du kannst dir somit jahrzehntelang deine Pauschalreisen finanzieren lassen!

Nachdem wir jetzt wissen, wie wir das zu investierende Startkapital nach unten drücken können, müssen wir einfach nur noch den besten Dividendenzahler finden. Dabei wollen wir aber weiterhin die Sicherheit nicht außer Acht lassen. Mit Google findest du schnell ein paar nette Herren, die dir “garantiert” 20% Dividendenrendite zahlen. Lass die Finger von solchen Angeboten! Dein Geld ist schneller weg, als du “Aktie” sagen kannst.

Schauen wir uns lieber an, was der Finanzmarkt noch zu bieten hat.

Stolze 12% Dividendenrendite!

So genannte Exchange Trading Funds (ETFs) sammeln Aktien zu bestimmten Themen unter bestimmten Kriterien. Du bekommst hier Aktienanteile von mehreren Firmen, die nach bestimmten Gesichtspunkten ausgewählt werden. 

Unser Kriterium lautet: Möglichst hohe Dividende. Wir suchen also nach einem ETF, in dem nur Firmen stecken, die besonders hohe Dividenden zahlen.

Quelle: Yahoo Finance

Ein Beispiel dafür ist der Global X Nasdaq 100 Covered Call ETF. Aus diesem Namen können wir vieles herauslesen. In diesem ETF stecken Firmen aus der ganzen Welt, die an der NASDAQ-Börse gelistet sind und sich im dortigen Ranking auf den ersten 100 Plätzen befinden. Wir reden hier von sehr großen Unternehmen mit wahnsinnig großem Kapital. Covered Call bedeutet, dass dieser ETF zusätzliches Geld erwirtschaftet, indem er Kaufoptionen auf seine Wertpapiere schreibt. Das zu erklären, führt arg weit weg vom Thema, ich verlinke hier einfach mal auf diesen Artikel.

Was uns mehr interessieren sollte, sind die Eckdaten bezüglich Sicherheit und Dividende. Den Global X Nasdaq 100 Covered Call ETF gibt es seit 2016, sein Kurs schwankte in den letzten zwei Jahren immer so zwischen 21 und 23 US-Dollar. Ich schätze das Risiko als gering ein, weil der Kurs wenig schwankt, und weil der ETF nur auf große und bekannte Firmen setzt und schon einige Jahre auf dem Markt ist.

Aus juristischen Gründen muss ich darauf hinweisen, dass ich diesen ETF selbst in meinem Portfolio liegen habe.

Warum? Ganz einfach. Er zahlt satte 11,99% Dividende! Runden wir das einfach mal auf 12% und jagen wir das Ganze durch unsere altbekannte Formel:

3.000 : 0,12 = 25.000

Jetzt rückt der dividendenfinanzierte Pauschalurlaub gewaltig näher, was? Wir haben gerade die Investitionskosten um 50.000 Euro nach unten gedrückt, ohne das Risiko nennenswert zu erhöhen. Und das war noch immer nicht das Ende der Fahnenstange!

Es geht noch einiges mehr…

Der absolute Spitzenreiter bei den Dividenden-ETFs nennt sich Columbia Research Enhanced Value ETF. Er lockt Anleger mit komplett irrsinnigen 19,97% Dividendenzahlung! Der Preis für diesen ETF beträgt derzeit 20,35 US-Dollar.

Dieses Wertpapier habe ich noch nicht in meinem Portfolio, ich will erst noch mehr darüber herausfinden, um das Risiko besser einschätzen zu können.

Zum Spaß jage ich es trotzdem durch unsere Formel, rechne wie üblich Beträge in Euro um und runde, wo es nötig ist.

3.000 : 0,2 = 15.000

So viel Geld haben viele Leute auf ihrem Sparkonto herumliegen. Viele Aktien-Broker bieten auch die Möglichkeit über einen Sparplan monatlich Geld einzuzahlen. So kannst du dir die Summe nach und nach aufbauen.

15.000 Euro für eine Pauschalreise wäre natürlich ein bisschen arg viel. Vergiss aber nicht, dass du die Dividenden jedes Jahr bekommst und dass diese auch generiert und ausbezahlt werden während du am Strand liegst und eine Pina Colada schlürfst.

Ändert sich der Durchschnittspreis für eine Pauschalreise in den nächsten Jahren nicht, hättest du nach 5 Jahren den “Break Even” erreicht. Mit 5 durch Dividenden bezahlten Pauschalreisen hast du die 15.000 Euro wieder herein gewirtschaftet.

Wäre da nicht noch… das Finanzamt 🤢

Eines müssen wir noch berücksichtigen: Dividenden sind erwirtschaftetes Einkommen und damit steuerpflichtig. Du zahlst grundsätzlich 25 % Abgeltungssteuer, plus 5,5% Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls auch noch Kirchensteuer. Rechne damit, dass du in Bayern und Baden-Württemberg insgesamt 27,82 % inklusive Kirchensteuer berappst, in den restlichen Bundesländern kostet der Spaß 27,99 %.

Da wir 3.000 Euro erwirtschaften, zahlst du

  • in Bayern und Baden-Würtemberg 834,60 Euro Steuer
  • im restlichen Deutschland 839,70 EUR Abgeltungssteuer

Das ist natürlich ein ziemlicher Hammer. Die nehmen dir fast ein Drittel deines Einkommens. Der Broker führt die Steuer direkt an das Finanzamt ab, du kannst nichts dagegen tun.

Jetzt hast du zwei Möglichkeiten: Entweder du speckst deinen Urlaub ein wenig ab und suchst dir eine Reise, die nur 2.165,40 beziehungsweise 2.160,30 Euro kostet oder du erhöhst dein investiertes Kapital, um die Steuer aufzufangen und doch wieder auf 3.000 Euro Verdienst zu kommen.

Was wir auch noch nicht berücksichtigt haben, sind die Handels- und Wechselgebühren des Aktienbrokers. Ich selbst bin bei DeGiro, da zahle ich keine Monatsgebühren. Ein Trade, also ein Kauf oder Verkauf, kostet im Durchschnitt 2 Euro. Die Wechselgebühren bei ausländischen Aktien richten sich nach dem marktüblichen (schwankenden) Preis. Rechne für all das einfach mal großzügig 50 Euro ein, wenn du dein Portfolio komplett neu aufbaust.

Weil es bei der hier vorgestellten Dividenden-Strategie nicht um ständiges Kaufen und Verkaufen geht, fallen die meisten Broker-Gebühren nur am Anfang an, wenn du dir dieses System einrichtest. Läuft es, musst du eigentlich nur noch Wechselgebühren zahlen, wenn das Dividenden-Geld von Dollar in Euro umgewandelt wird. Das sind aber Peanut-Beträge.

Die Sache endet – mit dem allgemeinen Disclaimer

Wenn man über Wertpapiere schreibt, muss man auf die damit verbundenen möglichen Risiken hinweisen und auch darauf, ob man selbst diese Wertpapiere hält.

Von allen hier vorgestellten Aktien und ETFs halte ich nur den Global X Nasdaq 100 Covered Call ETF im eigenen Portfolio.

Wertpapiere jeglicher Art enthalten grundsätzlich ein Risiko, im schlimmsten Fall kannst du dein gesamtes Geld verlieren. Mindern kannst du das Risiko, indem du nicht nur auf ein einzelnes Wertpapier setzt, sondern besser verschiedene kaufst, die Verluste gegenseitig abfedern können.

Die NASDAQ ist ein Sonderfall unter den Börsen. Hier handeln nur Computer, keine Menschen. Ein Hacker könnte sich dort einschleichen und die Kurse manipulieren. Es könnte auch einfach der Strom ausfallen, so dass du nicht mehr an dein Geld kommst.

Wertpapiere aller Art sind Kursschwankungen ausgesetzt und Dividenden können gestrichen werden. Es gibt also keine Garantie für nichts. Kaufst du Aktien eines Unternehmens und geht es diesem Unternehmen schlecht, wird es als erstes die Dividende kürzen oder komplett streichen. Dann kannst du die Aktien entweder im Portfolio liegen lassen und hoffen, dass sich die Situation wieder bessert oder du verkaufst sie und suchst dir einen neuen Dividendengeber. Dummerweise ist auch der Aktienkurs im Keller, wenn es der Firma schlecht geht. Du müsstest in diesem Fall für weniger verkaufen als du bezahlt hast und machst Verlust.

Wie kannst du das Risiko mindern? Am besten durch eine profunde Finaanzbildung, die du dir auf diesem Blog oder aus Büchern wie diesen hier aneignen kannst. Hilfreich ist auch die Diversifikation, also das Verteilen des Vermögens auf verschiedene Wertpapiere.

Jetzt ist dem Gesetz hoffentlich Genüge getan. Bleibt nur noch zu wünschen, dass du dir mehr als nur eine Reise mit Dividenden finanzieren kannst.