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Wie moderne Kunst den Reichen dient

Vor kurzem habe ich auf NetflixInventing Anna gesehen, die Geschichte einer jungen Frau, die sich geschickt in die New Yorker High Society schmuggelt und zahlreiche Banker, Künstler und Investoren übers Ohr haut. Die exzessive Zurschaustellung von Mode, Kunst und Architektur – und das damit verbundene Ziel möglichst schnell und einfach Geld zu verdienen – brachte mich dazu über den heutigen Kunstmarkt nachzudenken. Und über die Frage, wie viele Annas hier herumlaufen.

Die Kunst als Goldesel

Um den ausgeflippten Kunstmarkt zu verstehen, müssen wir ein paar Jahre in der Zeit zurückreisen. Am besten in die Zeit der ganz großen Künstler, die Zeit der Renaissance. 

Viele der großen Meisterwerke, die wir heute im Louvre bewundern, wurden von Adeligen in Auftrag gegeben. Wie üblich erhielt der Künstler nur ein paar Taler für seine Arbeit. Große Kasse machten immer nur die Kunsthändler.

Ein perfektes Beispiel für so einen Händler ist Joseph Duveen. Er kaufte Anfang des 20. Jahrhunderts dem verarmten und zahlungsunfähigen Adel die Gemälde der Renaissance-Künstler für ein Butterbrot und ein Ei ab und verkaufte sie anschließend zu exorbitanten Preisen an wohlhabende Industrielle in Amerika. “Europa hat viel Kunst, und Amerika hat viel Geld”, erklärte Duveen sein Geschäft.

Vom Taxifahrer zum Millionär

Bleiben wir auf dem amerikanischen Kontinent. Dort spielte sich in den späten 1950er und 1960er Jahren eine verrückte Geschichte ab, die einen Taxifahrer in die höchsten Kreise der New Yorker Kunstszene katapultierte.

Robert Scull, ein Schulabbrecher aus der Bronx, der zusammen mit seinem Bruder ein Taxiunternehmen führte, hatte ein gutes Gespür für neue, lukrative Geschäfte. Er wusste, dass er als anerkannter Kurator moderner Kunstwerke in den höchsten Rängen des New Yorker Jet-Sets mehr verdienen konnte als mit Taxifahrten.

Zu dieser Zeit entwickelte sich gerade der abstrakte Expressionismus, auch Pop-Art und Minimalismus brachten die ersten aufstrebenden Künstler hervor. Ein perfekter, noch unverbrauchter Markt für die Scull-Brothers.

Menschen wie Andy Warhol, die wir heute natürlich alle kennen, verscherbelten ihre Werke für ein paar Dollar an die kunstinteressierten Taxifahrer, in der Hoffnung so einen Fuß in die Kunstwelt zu bekommen. Die kunstinteressierten Taxifahrer reichten seine Werke an die High Society weiter – zu Preisen ab 10.000 US-Dollar aufwärts.

Ein Gemälde von Cy Twombly, das die Taxifahrer für 750 Dollar erworben hatten, erzielte einen Preis von 40.000 Dollar. Jasper Johns’ Double White Map, 1965 für rund 10.000 Dollar eingekauft, wurde für 240.000 Dollar  weiterverkauft.

Wie schafft man so etwas? Durch Aufmerksamkeit in den Medien! Zahlreiche Journalisten und Fernsehteams wurden zu einer Auktion am 18. Oktober 1973 eingeladen, wo die beiden Taxifahrer 50 Werke aus ihrer Sammlung versteigerten und insgesamt einen Erlös von 2,2 Millionen US-Dollar erzielten. Für zeitgenössische, damals noch weitgehend unbekannte Kunst war das eine irrsinnige Summe.

Die Preise explodieren

Aus heutiger Sicht wirken die damaligen Rekordpreise lächerlich. Im November 2013 erzielte die Abendauktion für Nachkriegskunst und zeitgenössische Kunst bei Christie’s einen Gesamterlös von 691,6 Millionen Dollar und stellte damit einen neuen Rekord für das teuerste Werk eines lebenden Künstlers auf – 58,4 Millionen Dollar für Jeff Koons’ Skulptur Balloon Dog. Bei einer weiteren Versteigerung zeitgenössischer Kunst im November 2014 wurden an einem einzigen Abend 852,9 Millionen Dollar erzielt.

“Ballon Dog” von Jeff Koon, ausgestellt im Schloss Versailles. Bildquelle: publicdelivery.org

Wer sich der modernen Kunst verschreibt, darf die Moderne nicht links liegen lassen. Kein Wunder also, dass Christie’s auch mit den top-aktuellen NFTs Kasse macht. Am 11. März 2021 erzielte das Bild “Everydays” von Mike Winklemann – besser bekannt unter seinem Pseudonym “Beeple” – 69,3 Millionen US-Dollar.

Das teuerste Werk, das jemals bei Christie’s verkauft wurde, erzielte sagenhafte 450 Millionen US-Dollar. Es handelte sich dabei um ein wiederentdecktes Gemälde, das Leonardo da Vinci zugeschrieben wird. 

Die Globalisierung des Kunsthandels

Trotz der irren Summen, die bei Kunstversteigerungen erzielt wurden, war der Handel mit Skulpturen und Bildern lange Zeit ein Nischengeschäft, das überwiegend in den Vereinigten Staaten und Westeuropa angesiedelt war.

Dank weltweiter Vernetzung sehen wir heute eine globale Kunstindustrie, die von Luxus, Mode und Berühmtheit geprägt ist und eine immer größere Anzahl von sehr wohlhabenden Käufern anzieht, die aggressiv ihre Sammlungen mit Werken von bekannten zeitgenössischen Künstlern, die als Marke gelten, erweitern.

Genau wie Yachten und Privatjets wurden Kunstwerke zu Statussymbolen, mit denen sich der Milliardär von heute gerner brüstet. Der Sänger Justin Bieber kaufte sich vor einiger Zeit zwei NFTs aus der Serie “Bored Ape Yacht Club”, eines für 1,3 Millionen US-Dollar, das andere für schlappe 470.000 USD. Noch höhere Preise zahlen die russischen Oligarchen sowie die neuen Multimilliardäre aus China und Indien. 

Für diesen Affen, genannt “ape #3850” zahlte Justin Bieber fast eine halbe Million US-Dollar. Bildquelle: cdn.shortpixel.ai

Der Fall des Kommunismus in Osteuropa und die wirtschaftliche Liberalisierung in Ländern wie China und Indien brachten diese neue Welle von Milliardären hervor, die ihren Reichtum zur Schau stellen wollen. In China wurde die Nachfrage auch durch einen von der Regierung geförderten Museumsbau-Boom angekurbelt. In den letzten zehn Jahren wurden über 1000 neue Museen eröffnet, eine Kombination aus staatlichen und privaten Einrichtungen. 2017 gab es dort etwa 200 Museen in Privatbesitz, die sich der zeitgenössischen Kunst widmeten. Der Bau von Privatmuseen ist nicht nur ein Statussymbol für die Elite des Landes, sondern auch ein Mittel, um die staatliche Genehmigung für lukrative Immobiliengeschäfte zu erhalten.

Für die sehr wohlhabenden Menschen von heute gehört es zur Pflicht, sich für Kunst zu interessieren.

Immer mehr, immer schneller, immer teurer

Heute wird mehr Kunst produziert und verkauft als je zuvor. Künstler, Galerien und Auktionshäuser versuchen verzweifelt mit der immer höheren Nachfrage aus Millionärs-Kreisen Schritt zu halten, die von der Verlockung des Profits und des Prestiges angezogen werden.

In der Vergangenheit war der Verkauf zeitgenössischer Kunst den Galerien und privaten Händlern vorbehalten. Werke lebender Künstler wurden nur selten versteigert. Doch die großen Auktionshäuser Sotheby’s und Christie’s erkannten, dass die Förderung des Marktes für zeitgenössische Kunst enorme neue Einnahmequellen erschließen konnte. Sie begannen, mehr wie Luxusmarken zu funktionieren. Christie’s wurde 1998 von François Pinault gekauft, dem Eigentümer des europäischen Luxuskonzerns Kering, zu dessen Marken Gucci, Saint Laurent und Balenciaga gehören. Die Auktionshäuser begannen nicht nur einen nicht endenden Strom an Kunstwerken zu fördern, sie unterstützen heute auch einen Jet-Set-Lebensstil mit millionenschweren Auktionen, exklusiven Galerie-Dinners und VIP-Vernissagen auf Kunstmessen.

Hinzu kamen Finanzdienstleistungen für den erlauchten Kundenkreis, die es ihm ermöglichen, den Wert der eigenen Sammlungen zu beleihen oder Werke mit einer Garantie Dritter zu verkaufen. Das Resultat ist, dass die Preise für zeitgenössische Kunst immer weiter gestiegen sind, was wiederum neue Käufer anlockt, von denen viele allein durch das Geld angezogen werden.

Wo viel Geld ist, kommen die Gangster…

Aus Sicht des Künstlers gibt es an dieser Entwicklung vieles zu kritisieren. 

Die Künstler werden dazu gezwungen dem Markt gerecht zu werden und produzieren demzufolge nur noch Werke, die verkauft werden können. Das führt nicht zu einem Verlust an Qualität und Vielseitigkeit. Der Kunstmarkt wird immer eintöniger und langweiliger. Was geschieht mit der Kunst als öffentliches Gut, wenn ihr Wert in erster Linie in Euro gemessen wird?

Und das ist nicht das einzige Problem. In ihrem Buch “Dark Side of the Boom: The Excesses of the Art Market in the Twenty-First Century” beschreibt die Autorin Georgina Adam wie Kunstwerke als Vehikel zum Verstecken oder Waschen von Geld genutzt werden. Der notorisch verschwiegene Kunstbetrieb, in Verbindung mit einer laxen behördlichen Aufsicht, ermöglicht es, dass riesige Geldsummen ohne öffentliche Kontrolle den Besitzer wechseln.

In den meisten Fällen geschieht das völlig legal. Kunstsammler und ihre Beauftragten finden immer wieder kreative Wege, um das Zahlen von Steuern zu verhindern oder zumindest aufzuschieben. Dazu gehören die Gründung privater Museen und Stiftungen, die Lagerung von Kunstwerken in Offshore-Freihäfen, wo sie ohne Zollgebühren oder Mehrwertsteuer ausgetauscht werden können, und Schlupflöcher im Steuergesetzbuch wie der Austausch von “gleichartigen Gegenständen”. 

Ursprünglich in den 1920er Jahren eingeführt, um Landwirten zu helfen, indem sie die Steuern auf den Handel mit Vieh aufschieben konnten, wird der “Austausch gleichartiger Gegenstände” heute regelmäßig von Kunstsammlern in Anspruch genommen, um die Zahlung von Steuern auf den Verkauf von Kunstwerken zu vermeiden: Solange ein Sammler den Erlös aus dem Verkauf eines Werks innerhalb von 180 Tagen für den Kauf eines anderen verwendet, kann die Steuerpflicht auf unbestimmte Zeit aufgeschoben werden.

Es ist kein Zufall, dass zu den prominentesten Kunstsammlern der Welt Menschen wie Poju Zabludowicz zählen, der sein Familienvermögen mit zum Teil illegalem Waffenhandel aufgebaut hat. Oder Daniel Och, dessen Firma in mehreren afrikanischen Ländern Millionen von Dollar an Bestechungsgeldern an Regierungsbeamte im Austausch für Schürfrechte gezahlt hat. 

Gewiss möchten die beiden der Nachwelt lieber als Kunstmäzene mit Geschmack und Stil  in Erinnerung bleiben, als dafür, dass sie aus menschlichem Elend Profit geschlagen haben.

Wohin soll das noch führen?

Was die Folgen dieser extremen Entwicklung und Verteuerung des Kunstmarktes sind, kann niemand vorhersagen. Nach Ansicht des Soziologen Olav Velthuis profitiert der Kunstmarkt von der ungleichen Verteilung des Reichtums. Neue Milliardäre kündigen ihre Ankunft im Etablissement immer häufiger durch den Kauf aktueller Kunstwerke an.

Der Kunstmarkt zeigt die Wachsende Kluft zwischen Arm und Reich und auch die schwindelerregende Konzentration von Reichtum in den Händen einiger weniger. Während ganze Länder Hunger und Not leiden, geben Mr. und Mrs. Jet-Set mal schnell 5 Millionen Euro für ein modernes Kunstwerk aus – auch wenn es sich um einen nur in der digitalen Welt existierenden, gelangweilt dreinblickenden NFT-Affen aus dem Yachtclub handelt.

Auch während der letzten Finanzkrisen und auch während der Corona-Pandemie gingen die Aktivitäten in den oberen Bereichen des Kunstmarkts unvermindert weiter. Es wurde kein einziges Bild und kein einziges NFT weniger verkauft und die Preise für die Werke klettern immer weiter nach oben.

Zahlreiche Akteure in der Kunstwelt, darunter Kunstvermittler, Händler, Kunstberater, Investmentfonds und die Auktionshäuser kennen die Geheimnisse der außergewöhnlich Reichen und Schönen. Aber für die meisten von uns bleibt der gehobene Kunstmarkt ein verschlossenes Buch mit sieben Siegeln. Diskretion ist im Milliardärs-Club Ehrensache…

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LUMINAR NEO – IST ES WIRKLICH BESSER ALS LIGHTROOM?

Luminar Neo eignet sich hervorragend für das Bearbeiten von Portraitphotos.

Schon vor der Veröffentlichung ist Luminar Neo unter Fotografen das Gesprächsthema Nummer 1. Ich habe es vorbestellt, werde zur Zeit aber noch vom Hersteller Skylum als Beta-Tester missbraucht. Ich konnte bis jetzt nur eine noch nicht fertige “Early Access-Version” des Programms herunterladen. Was ich gesehen habe, gefällt mir aber schon recht gut. Hier entsteht ein gewaltiger Konkurrent für Adobe Lightroom…

Für wen eignet sich Luminar Neo?

Luminar Neo richtet sich gleichermaßen an Hobbyfotografen und Profis. Wer einfach nur seine Urlaubsbilder aufhübschen will, kann das dank integrierter künstlicher Intelligenz mit ein oder zwei Mausklicks tun. Profis können gezielt die Belichtung korrigieren, den Himmel austauschen, künstlichen Nebel hinzufügen und Tonwertkorrekturen vornehmen.

Einfache Routineaufgben erledigt das Programm mit einem Klick auf die entsprechende Funktion. Zusätzlich gibt es Schieberegler mit Feineinstellungen für Künstler, die wirklich alles aus ihren Bildern herausholen möchten. 

Durch die Kombination von künstlich intelligenten Funktionen und Schiebereglern versucht Luminar Neo dem altbewährten Adobe Lightroom Marktanteile abzunehmen.

In der fertigen Version soll Luminar Neo auch mit Ebenen arbeiten und gezielt einzelne Objekte ausschneiden können. Damit hätten wir einen ziemlich starken  Konkurrenten zu Adobe Photoshop. 

Die besten Funktionen in Luminar Neo

Mask AI, die Funktion zum gezielten Ausschneiden und das Verwalten von Ebenen sind in der Early Access-Version leider noch nicht drin. Interessant ist aber, dass angewendete Funktionen jetzt schon modular verwaltet werden. Alle Funktionen arbeiten nicht-destruktiv und lassen sich, ähnlich wie die Smart-Filter in Photoshop, nachträglich neu einstellen.

Leider lassen sich angewendete Funktionen nicht einzeln entfernen. Wenn ich beispielsweise ein Bild Schwarz-Weiß färbe und es später wieder farbig haben will, kann ich nicht nur den Schwarz-Weiß-Filter entfernen. Klicke ich auf “Bearbeitungen entfernen” – die einzige Schaltfläche, die angeboten wird – sind alle Effekte weg.

Einzelne Filter im Bearbeitungsbereich-Modus entfernen, ist leider nicht möglich.

Die Core-Engine von Luminar Neo

Um das modulare Verwalten der Funktionen zu ermöglichen, wurde Luminar Neo komplett neu gedacht und programmiert. Dadurch lohnt sich der Umstieg auch für Benutzer älterer Versionen wie Luminar AI und Luminar 4.

Sogar auf meinem Uralt-Mac läuft Luminar Neo absolut flüssig, durchgeführte Berechnungen passieren blitzschnell. Daran erkennt der Anwender die neue Core-Engine. Anstatt jedesmal alles neu zu berechnen, konzentriert sich das Programm nur auf das gerade aktuelle Modul. Selbst wenn ich sieben oder acht dieser Module aktiviert habe, bemerke ich weder einen Geschwindigkeitsverlust noch ewig lange Wartezeiten. Hier hat das Team von Luminar wirklich tolle Arbeit geleistet. 

Staub und Stromleitungen mit einem Klick entfernen

Laut Werbung kann Luminar Neo Staubflecken und Stromleitungen mit einem einzigen Klick entfernen. In Photoshop sind diese Arbeiten nervtötend und langwierig.

Tatsächlich schaffte es Luminar Neo bei meinen Bildern zumindest die markanten Flecken und Leitungen weg zu rechnen. Es funktioniert nicht immer perfekt, manchmal erkennt das Programm kleinere Staubflecken nicht. Stromleitungen vor einem einfarbigen Hintergrund kann es sehr gut entfernen, aber wenn beispielsweise ein Gebäude im Hintergrund zu sehen ist, hat die künstliche Intelligenz Schwierigkeiten die zum Gebäude gehörenden Linien von den Stromleitungen zu unterscheiden. 

Vergrößert ihr das Bild, sind an den Stellen, wo sich die Stromleitungen befanden, oft Verwerfungen oder Verzerrungen erkennbar. Das gilt insbesondere dann, wenn die Stromleitungen belebte Abschnitte des Bildes kreuzen.

Die kleinen Fehler könnt ihr aber nachträglich mit dem Pinselwerkzeug korrigieren. Abgesehen davon ist die künstliche Intelligenz lernfähig. Je mehr Bilder ihr damit bearbeitet, desto besser wird mit der Zeit das Ergebnis.

Gezielt belichten mit Relight AI

Eine ziemlich coole Funktion ist das separate Nachbelichten von Vorder- und Hintergrund. Nach dem Aufrufen von Relight AI konnte ich die Helligkeit in der Nähe und der Ferne separat mit einem Schieberegler einstellen, zusätzlich gibt es ein Werkzeug zur Tiefenkontrolle.

Über die erweiterten Einstellungen könnt ihr die Farbtemperatur für den Vorder- und Hintergrund einstellen und weitere Licht-Anpassungen vornehmen. Bei manchen Bildern wirkt das als hättet ihr beim Fotografieren eine zusätzliche Softbox aufgestellt.

Bei bereits perfekt belichteten Bildern kann Relight AI natürlich keine zusätzlichen Wunder bewirken. Nehmt zum Testen einfach mal ein uraltes Urlaubsfoto, das ihr mit dem heutigen Wissen und Können garantiert besser belichten würdet. Ihr werdet staunen, was Luminar Neo nachträglich aus solchen Bildern herausholen kann.

Ich zeige hier mal als Beispiel ein Bild von meinem Irland-Urlaub im Jahr 2017. Bei der Burg Rock of Cashel stellt man sich immer etwas hochdramatisches vor und natürlich wollte ich das auch fotografisch darstellen. Aber ihr wisst ja, wie das ist wenn man mit einer Reisegruppe unterwegs ist. Der Zeitplan ist eng, du kannst nicht stundenlang die Belichtung einstellen. Wettermäßig musst du nehmen, was da ist und wenn Stromleitungen oder andere Dinge im weg sind, dann ist das eben so.

Genau hier hilft Luminar Neo. Ich habe damit alle störenden Elemente entfernt, die Dramatik des Himmels verstärkt und dann das Bild mit Relight AI neu belichtet.

Den Himmel austauschen

Ich kann mich noch gut erinnern, als mit Luminar 1 zum ersten Mal ein Programm erschien, das den Himmel mit einem einzigen Klick austauschen konnte. Tausende Photoshop-Nutzer dankten Gott und den Entwicklern für diese geniale Erfindung.

Adobe hat inzwischen nachgezogen und eine derartige Funktion in Photoshop integriert. Ich finde aber immer noch, dass die von Luminar etwas präziser und schneller arbeitet

Ist Luminar Neo wirklich besser als Lightroom?

Die Leute bei Adobe haben natürlich längst bemerkt, dass sie einen starken Konkurrenten bekommen haben. Verzweifelt versuchen sie nachzuziehen und ebenfalls coole Funktionen mit künstlicher Intelligenz nachzurüsten. Das Problem ist, dass die ohnehin schon aufgeblähte Software dadurch noch schwerfälliger wird und noch mehr Ressourcen verbraucht. Vom nervigen Creative Cloud-Tool, das nach jedem Software-Update jedes einzelne installierte Tool neu verifizieren will und mir dadurch kostbare Arbeitszeit stiehlt gar nicht erst zu reden.

Luminar Neo ist deutlich schlanker und schneller, den Ressourcenverbrauch merkt man kaum. Habt ihr es einmal gekauft, gehört es euch. Eine weitere Verifizierung findet nicht statt.

Von den Funktionen her nehmen sich beide Programme nicht viel. Luminar Neo hat viele Funktionen integriert, die ihr bei Lightroom mit Presets nachbilden könnt. Das ist natürlich zusätzliche Arbeit. Bei Neo klickt ihr einfach nur auf die Funktion, schon macht das Ding seine Arbeit. Ich arbeite inzwischen deutlich öfter mit Luminar Neo als mit Lightroom, einfach weil es schneller geladen ist und die benötigten Funktionen schneller zur Verfügung stehen. Komplett trennen möchte ich mich von Lightroom aber noch nicht.

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DIE BESTEN SOCIAL MEDIA PLATTFORMEN FÜR KÜNSTLER [2022]

social media plattformen für künstler spielen auch in der Zukunft eine rolle

“Was sind die besten Social Media Plattformen für Künstler?”, fragen mich die Leute immer wieder. Die Antwort hängt in erster Linie von eurem Bekanntheitsgrad ab.

Habt ihr euch als Künstler offline einen guten Ruf aufgebaut, ist der Aufbau von Followern auf allen Social Media Plattformen ein Klacks. Justin Bieber hatte innerhalb von 24 Stunden mehr als 1,5 Millionen Follower auf Instagram. Auch Markennamen wie Coca Cola brauchen keine zwei Tage, um sich auf diesen Plattformen ein Millionenpublikum aufzubauen.

Wenn ihr euch auf Socialblade die 10 größten Instagram-Accounts anschaust, findet ihr dort nur bekannte Schauspieler, Musiker, Marken und – speziell in Deutschland – auch Fußballer. Für andere soziale Netzwerke gilt das Gleiche.

Aber was, wenn ihr nicht zur Creme de la Creme gehört und noch ganz am Anfang steht?

DIE BESTEN SOCIAL MEDIA PLATTFORMEN FÜR NOCH UNBEKANNTE KÜNSTLER

Als totaler No-Name würde ich aus dem Versuch ein bekannter Künstler zu werden einfach eine Geschichte machen. Erzählt euren potentiellen Followern was ihr vorhabt, womit ihr bereits Erfolg hattet und auch die ganzen Pannen und Peinlichkeiten, die jedem passieren, der auf dem Weg nach oben ist. Immer wenn etwas passiert, von dem ihr glaubt, dass es andere Leute interessieren oder bespaßen könnte, macht ihr ein Foto oder ein kurzes Video. Schreibt einen kurzen Text dazu und ladet es hoch, wohin auch immer. Das gleiche gilt für Tipps, die anderen dabei helfen ebenfalls vorwärts zu kommen. Sowas kommt immer gut an.

Für diese Art von Geschichte empfehle ich Instagram und Twitter. Diese Social Media Plattformen funktionieren wie eine Art Micro-Blog oder Tagebuch. Damit ihr nicht völlig abhängig von diesen Plattformen werdet, solltet ihr zusätzlich einen richtigen Blog haben. Erzählt die detaillierte Langversion auf eurer eigenen Webseite und auf Social Media nur die Kurzversion. Packt einen Link zu eurem Blog in euer Social Media Profil und erzählt den Leuten, dass sie dort die ausführliche Version der Geschichte lesen können. Damit lockt ihr sie zum richtigen Ort.

YouTube könnt ihr auch als Mikro-Blog verwenden, aber das Drehen und Schneiden von Videos ist natürlich aufwändiger als kurze Texte und Bilder zu posten.

Was ihr auch machen könnt, ist auf Instagram einen zweiten Account einzurichten, der nur als kleine Kunstgalerie oder als eine Art elektronische Visitenkarte gilt. Dort veröffentlicht ihr nur Bilder von euren Kunstwerken, sonst nichts. Zeigt auf diesem Account maximal 9 Werke, damit es gut aussieht. Nutzt ihn aber keinesfalls für den Aufbau von Followern. Wenn die Leute eure besten Werke in maximaler Auflösung sehen möchten, sollen sie gefälligst eure Webseite, eine ausstellende Galerie – oder noch besser – euren Online-Shop besuchen. Der Zweit-Account ist nur eine Visitenkarte, sonst nichts.

DIE BESTEN SOCIAL MEDIA PLATTFORMEN FÜR EINIGERMASSEN ERFOLGREICHE KÜNSTLER

Habt ihr schon ein paar Wettbewerbe gewonnen oder in Galerien ausgestellt, erzählt ihr auf Social Media eine andere Geschichte. Sie handelt von euren Werken und was euch dazu bewogen hat sie so zu gestalten wie sie sind.

Welche Social Media Plattform ihr für diese Geschichte wählt, hängt von der Art eurer Kunstwerke ab. 

Mit Comics, Mangas und Animes seid ihr auf Tik Tok goldrichtig, weil sich dort ein sehr junges Publikum aufhält. 

Auf Webtoon und Tapas könnt ihr eure Comics nicht nur zeigen, sondern auch gestalten.

Concept Art, digitale Illustrationen, Charakterdesign und 3D funktionieren auf Artstation und Talenthouse recht gut. Die Leute von DeviantArt haben jahrelang erfolgreich ihre Besucher mit blödsinnigen Hausregeln vergrault, man scheint dort aber lernfähig zu sein. Einen Versuch ist diese Plattform, die ich früher sehr gern mochte, immer noch wert.

Könnt ihr auf diesen Plattformen wirklich viele Anhänger sammeln, kommt eventuell auch Patreon in Frage. Dort könnt ihr euren treuesten Fans Insiderwissen oder besondere Kunstwerke gegen Geld anbieten. Eigentlich eine gute Sache, aber die Conversion-Rate ist extrem schlecht. Von 10.000 Menschen abonnieren euch allerhöchstens einer oder zwei auf Patreon.

Eine weitere Möglichkeit ist Pinterest. Die Leute dort interessieren sich nicht für No-Names, aber als fortgeschrittene Künstler findet ihr dort ein extrem kaufkräftiges Publikum. Ihr könnt eure Beiträge in Boards zusammenfassen und sogar in den Boards anderer Mitglieder speichern. Dort bleiben sie, so lange sie nicht explizit gelöscht werden. In jedem Beitrag könnt ihr einen Link zu eurem Shop oder zu Patreon einbauen, wodurch sich Pinterest ebenfalls zum Geld verdienen eignet.

DIE BESTEN SOCIAL MEDIA PLATTFORMEN FÜR INTERNATIONAL EXTREM ERFOLGREICHE KÜNSTLER

Du bist Mick Jagger, Kim Kardashian oder Harrison Ford? Toll, dass ihr meinen Blog gefunden habt 😀

Künstler dieser Größenordnung kümmern sich normalerweise nicht selbst um Social Media. Dafür gibt es Agenturen.

Ich möchte euch trotzdem das Instagram-Profil eines bekannten Schauspielers vorstellen, damit ihr seht wie die Social Media Plattformen wirklich funktionieren und welche Tipps der zahlreichen Gurus und Tippgeber im Internet ihr bedenkenlos ignorieren könnt.

Braucht ihr wirklich ein perfekt gestyltes Profil mit extrem hochwertigen Fotos, um auf Instagram erfolgreich zu sein? 

Habt ihr die Verfilmung des Stephen King-Romans “Es” im Kino gesehen, kennt ihr Jaeden Martell. Er spielte die Rolle des Bill Denbrough und erlangte damit Weltruhm.

Außerdem besitzt eben dieser Jaeden Martell das – mit Verlaub gesagt – so ziemlich hässlichste Instagram-Profil, das mir jemals untergekommen ist. Ihr seht dort einen wilden Mix aus Familienfotos, Grafiken, politischen Zitaten und dazwischen immer wieder mal Szenen aus seinen Filmen oder seine Auftritte auf Pressekonferenzen.

Jedem Marketing-Guru dreht sich bei diesem Profil dreimal der Magen um. Martell macht sich nicht die Mühe seine Bilder nachzubearbeiten oder Fotofilter darüber zu legen, damit sie hübsch aussehen. Sein Profilbild sieht aus als wäre er gerade aus dem Bett gekrochen.

Hashtags benutzt er nur, wenn er Lust dazu hat. Es gibt auch sonst keine Hinweise, dass er wenigstens versucht den Instagram-Algorithmus so zu steuern, dass seine Beiträge besser verbreitet und eventuell auf der Explore-Page gezeigt werden.

Trotzdem hat er 3,8 Millionen Follower und jeder einzelne seiner Beiträge landet sofort auf der Explore-Page. Vor allem junge Mädchen liken und kommentieren seine Beiträge zu tausenden.

An Martells Profil seht ihr, dass es besser ist als bereits erfolgreicher Künstler die Welt der Social Media Plattformen zu betreten. Stellt eure Bilder in bekannten Galerien aus, präsentiert eure Musik auf Live-Bühnen, gewinnt Wettbewerbe oder schafft es irgendwie in einem bekannten Kinofilm mitzuspielen. Achtet auch darauf, dass euch die Presse stets wohlgesonnen ist.

Kriegt ihr das hin, fangen die Leute von selbst an euch auf Google oder in den sozialen Netzwerken zu suchen. Ihr müsst euch nicht darum kümmern Follower aufzubauen oder einen sogar für Fachinformatiker undurchschaubaren Algorithmus zu beglücken.

Ihr dürft dann sogar die oft sehr strengen Hausregeln der Social Media Plattformen nach Herzenslust missachten. Vor einiger Zeit geisterte ein Artikel durch die Medien, in dem aufgedeckt wurde, dass Prominente jeglicher Art Inhalte veröffentlichen dürfen, die bei normalen Nutzern sofort gelöscht würden. Verantwortlich dafür ist ein Programm namens XCheck, das die Promis auf eine Whitelist setzt und somit von den üblichen Kontrollen ausnimmt.

Konzentriert euch auf eure Kunst und auf den Aufbau eures Markennamens in der realen Welt. Dann läuft das Geschäft auf Social Media wie von selbst und ihr müsst nicht mehr nach Blogbeiträgen zum Thema Die besten Social Media Plattformen für Künstler googeln.

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Kunst als Wertanlage wird akzeptiert, aber sie ist immer noch eine fragwürdige Investition

Kunst als Wertanlage ist immer noch eine fragwürdige Investition

Es ist normal geworden Kunst als Wertanlage zu betrachten. Zumindest für die Wohlhabenden. Aber für die meisten Anleger ist der Kunstmarkt nach wie vor zu unbeständig und riskant.

Wir leben in schwierigen Zeiten, ein Zeichen dafür ist die allgemeine Akzeptanz von Kunst als Wertanlage. Eine Studie von Deloitte und ArtTactic zeigt, dass 85 % der Vermögensverwalter der Meinung sind, dass Kunst und Sammlerstücke Teil ihres Angebots für Kunden sein sollten. Im Jahr 2014 waren bei der gleichen Umfrage nur 

53 % dieser Meinung.

Im Wesentlichen bedeutet dies, dass Kunst genauso behandelt werden sollte wie andere Vermögenswerte. Sie kann geschützt werden, beispielsweise durch Nachlassplanung oder Versicherungen und Absicherungsstrategien, und sie kann aufgewertet werden, etwa durch regelmäßige Bewertungen und die Beachtung der verfügbaren Steuervergünstigungen, die auch öffentlichen Einrichtungen zugute kommen können. Zunehmend herrscht die Überzeugung vor, dass sich Kunst besser monetarisieren lässt – etwa durch Asset-Backed Loans, einem boomenden Bereich.

Der Grund für den wachsenden Status von Kunst als Wertanlage liegt in den Preisen, zu denen sie heute gehandelt werden kann, was sie zu einem bedeutenderen Teil des Portfolios einer vermögenden Privatperson macht. Und es gibt noch viel Raum für Wachstum: Deloitte und ArtTactic schätzten, dass das mit Kunst und Sammlerstücken verbundene Vermögen im Jahr 2020 1,5 Milliarden US-Dollar des 191,6 Milliarden US-Dollar schweren Vermögens ausmachen wird.

Die Zahl der Unternehmen, die Daten, Bewertungen und Untersuchungen anbieten, sowie der Handelsinstrumente, die auf solchen Analysen aufbauen, ist stark angestiegen. Die Auktionshäuser, insbesondere Sotheby’s, verstärken ihre Aktivitäten in diesen Bereichen, was sich natürlich positiv auf ihre Auktions-Lieferkette auswirkt. Diese zielen eindeutig auf die obersten Ränge des Marktes ab, obwohl die jüngsten Neueinstellungen wie Noah Horowitz von Art Basel zeigen, dass man sich auf die Kreditvergabe an Galerien und andere Kunst-Unternehmen zubewegt, die sich in der Vergangenheit davor scheuten, die Kreditmärkte anzuzapfen. Der Eigentümer von Sotheby’s, Patrick Drahi, hat laut dem Telegraph ebenfalls einen hohen Kredit für sein Gebäude in der New Bond Street in London aufgenommen.

In der Zwischenzeit haben die Sotheby’s-Absolventen Amy Cappellazzo, Yuki Terase und Adam Chinn ein neues Beratungsunternehmen gegründet, das seinen Kunden “kreative Finanzdienstleistungen ähnlich wie bei einer Handelsbank” verspricht. Tokenisierte Kunst, NFTs und andere Blockchain-gestützte Systeme nähren den Hype. Die relative Transparenz und der schnelle Umsatz solcher Verkäufe erhöhen die verfügbaren Daten, verringern Asymmetrien, verbessern die Liquidität und – so die Theorie – erhöhen den Wert der Kunst, da neues Kapital einfließt.

Meiner Meinung nach ist das immer noch ein ziemlicher Vertrauensvorschuss. Auf dem Blue-Chip-Markt gibt es nur ein begrenztes Angebot an guten Arbeiten, und das Verhältnis zwischen Angebot und Nachfrage scheint bereits an seine Grenzen gestoßen zu sein. Auf dem Massenmarkt, den die NFTs, Sammlerstücke und dergleichen versprechen, müssten die Preise logischerweise auf ein realistisches Niveau sinken. Die Volatilität solcher Werke, die in hohem Maße mit Kryptowährungen und damit auch mit den Aktienmärkten korreliert sind, ist noch zu riskant – die Versicherungsgesellschaften sind in einer abwartenden Haltung. Ihr Status als bankfähige Vermögenswerte ist also nicht überzeugend.

Diese Bedenken gelten auch für den hoch spekulativen Markt für neue, zeitgenössische Künstler. Es wird einige glückliche Gewinner geben, aber meiner Meinung nach ist dies immer noch ein Markt für Insider. Es gibt immer noch zu viele Leute, die ein Interesse daran haben, Informationen nur für sich selbst und einige wenige Auserwählte zu behalten. Kunst ist vielleicht eine bessere Anlage, als man dachte, aber sie ist immer noch eine fragwürdige Investition.

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Welches soziale Netzwerk bringt Anfängern wirklich den meisten Traffic?

Social Media

Ich starte gerade ein neues Projekt und dachte mir, das ist eine gute Gelegenheit auszuprobieren, welche sozialen Netzwerke im Jahr 2021 wirklich funktionieren und einem blutigen Anfänger tatsächlich Traffic bringen.

Klar, ich könnte diese Frage googeln und finde sofort zehntausend Antworten. Das Problem ist, dass viele der “todsicheren Tipps”, die überall im Web herumschwirren, entweder veraltet oder nur von anderen abgeschrieben sind.

Was ich will, sind Zahlen und Fakten. Messbare Ergebnisse, die wirklich zeigen, welche Plattformen Traffic bringen und welche nicht. Deshalb habe ich für das Projekt brandneue Accounts auf diversen sozialen Netzwerken eingerichtet, überall ein bisschen was gepostet und geschaut, wie viele Likes, Klicks und Follower ich bekommen habe.

Das Ergebnis hat mich wirklich überrascht…

Alle möchten Tik Tok werden

Bevor ich euch die Zahlen präsentiere, will ich kurz erklären, was gerade in der Welt der Social Media-Plattformen abläuft. Das hilft euch, meine gewählte Strategie besser zu verstehen.

Die Betreiber von YouTube, Facebook und Instagram sind irgendwann geldgierig geworden. Sie schränken die Reichweite eurer Posts künstlich ein, um euch dazu zu bringen Werbung zu schalten. Anders gesagt, ihr sollt dafür zahlen, dass eure Beiträge gesehen werden.

Und dann kam Tik Tok. Dort konnte man kurze Videos posten und sie wurden von Millionen Menschen gesehen, weil es keine Einschränkung der Reichweite gab. Innerhalb weniger Monate wanderte ein Großteil der Nutzer von den alteingesessenen Plattformen zu Tik Tok.

Gier frisst bekanntlich Hirn, deshalb verstanden die Betreiber von YouTube, Facebook und Instagram nicht, was da gerade ablief. Weil sie ihre Nutzer nur als dummes und hoffentlich zahlungskräftiges Klickvieh betrachten, kamen sie in ihren schnell einberufenen Business- und Strategie-Meetings nicht auf die Idee, dass niemand dafür zahlen will, Tante Erna die letzten Urlaubsfotos zu zeigen.

Wenn man nicht zugeben will einen Fehler gemacht zu haben, schiebt man die Schuld anderen in die Schuhe oder fängt gleich einen offenen Krieg mit dem Gegner an. Die alten, immer noch mächtigen Plattformen versuchten mehrmals Tik Tok aufzukaufen. Als das nicht klappte, schickte man zuerst die eigenen Anwälte und später sogar Donald Trump los, der sich immer gerne für Hetzkampagnen gegen China einspannen ließ.

Nichts davon half. Tik Tok setzte völlig unbeirrt seinen Weg nach oben fort und gehört heute zu den beliebtesten Apps. Über 800 Millionen Menschen nutzen täglich dieses neue Schreckgespenst, das irgendwann mal musical.ly hieß und irgendwann später von den Chinesen aufgekauft und in Tik Tok umgetauft wurde.

Vor lauter Verzweiflung fingen die Betreiber von YouTube, Facebook und Instagram an, die Kriegsstrategien großer Feldherren zu studieren und zwangen sich sogar Machiavelli zu lesen. In dessen Büchern fanden sie eine Strategie, die Tik Tok zurückdrängen soll, die irgendwie cool klingt  und außerdem schnell umsetzbar ist:

Wenn du den Feind nicht besiegen kannst, kopiere einfach seine Strategie

Bingo! Das ist es! Wir machen das Gleiche wie Tik Tok, dann hat das Klickvieh keinen Grund mehr die Plattform zu wechseln.

Es wurde Zeit, mal wieder die Hausregeln zu ändern. Der Chef von Instagram machte seinen Nutzern auf Twitter klar, dass ab sofort keine Bilder mehr gepostet werden sollen. Stattdessen sollen die Nutzer gefälligst kurze, lustige Videos im vertikalen Bildformat posten, die man bei Instagram “Reels” nennt.

Facebook drehte bei den Stories den Regler für die Reichweite nach oben, so dass es plötzlich Sinn machte Storys zu posten. Und was sind Stories? Kurze, lustige Videos im vertikalen Bildformat.

YouTube versprach seinen verbliebenen Nutzern sofort mehr Reichweite, wenn sie anfangen #shorts zu posten. Ihr könnt euch denken, was damit gemeint ist: Kurze, lustige Videos im vertikalen Bildformat.

Natürlich ließ der Gegenschlag von Tik Tok nicht lange auf sich warten. Veröffentlichst du dort ein Video, kannst du es herunterladen oder sofort auf den anderen Plattformen teilen. Intelligenterweise macht Tik Tok dabei ein Wasserzeichen in den Film, das die Nutzer zurück auf die eigene Plattform lenkt.

Das soll als Einführung genügen. Kommen wir jetzt zu den Ergebnissen, die ich als totaler und blutiger Anfänger unter Berücksichtigung der aktuellen Lage innerhalb einer Woche auf den verschiedenen Social Media-Plattformen erzielen konnte:

Tik Tok – Alles oder nichts

Starten wir mit dem Original, die ganzen Kopierer kommen später dran. Ich habe auf Tik Tok bis jetzt 8 Videos veröffentlicht. Was mir dabei besonders auffällt ist, dass sie entweder viele oder keinen einzigen Klick bekommen. Hier gilt offensichtlich das Alles-oder-Nichts-Prinzip.

Damit ich, wie bei Instagram, einen Link zu meiner Kunstgalerie in die Bio einfügen kann, habe ich den Account in einen Business-Account umgewandelt. Normale Profile dürfen auf Tik Tok keinen Link in der Bio haben.

Ich bekam zwei Follower und weil die nicht gleich wieder abgesprungen sind, gehe ich davon aus, dass ihnen meine Inhalte gefallen. Geliked wurden meine Videos 45 mal. Drei Videos bekamen um die 500 Views, mein erster Film erhielt einen, der Rest ging leer aus.

Was mir noch auffiel ist, dass die Videos Spätzünder sein können. Ein Film erhielt zwei Tage lang keinen einzigen View, dann wurde er plötzlich von den Nutzern entdeckt und endete mit 499 Views.

Einen viralen Hit, der ein paar Millionen mal angesehen wurde, brachte ich nicht zustande. Tik Tok ist inzwischen genauso überlaufen wie die anderen Plattformen und der Geschmack der Nutzer unmöglich vorhersehbar. Die meisten Nutzer sind Jugendliche, vielleicht finden die Kunst einfach zum Kotzen. 

Ich habe auch mein eigenes Verhalten studiert. Auf Tik Tok scrollt man sich einfach durch die Videos. Nur solche, die wirklich auffallen, schaut man sich bis zum Ende an. Was mir dabei so gut wie nie in den Sinn kam, war nachzusehen wer den Film hochgeladen hat. Diese Information steht unter dem Film, an der Stelle wo normalerweise nie jemand hinguckt. Deshalb ist mir noch nicht ganz klar, wie ich auf dieser Plattform jemals Follower sammeln soll.

Instagram – Reels bringen wirklich Views

Weil normale Posts kaum etwas bringen, delegierte ich das Veröffentlichen solcher Beiträge an Later.com, einen kostenlosen Scheduler, der neben Instagram zahlreiche andere Plattformen versorgt.

Ich selbst kümmerte mich nur noch um die Reels. Auch hier veröffentlichte ich acht Filme, die natürlich die gleichen waren wie auf Tik Tok. Die Views können sich durchaus sehen lassen. Das erfolgreichste Werk bekam 3.790 Views, das Schlusslicht wurde immerhin fünfzehn mal angeschaut. Die für Instagram wichtige Engagement-Rate stieg um stolze 163 %.

Für die erste Woche sieht schon ganz ordentlich aus

Neue Follower habe ich insgesamt nur drei bekommen. Es waren zu Spitzenzeiten 20, aber wer Instagram kennt, weiß, dass dort viele Bots und auch Nutzer unterwegs sind, die einem folgen und sofort wieder entfolgen. Diesen Datenmüll will ich natürlich nicht in meine Auswertung mit einbeziehen.

Instagram eignet sich, soweit ich es sehen kann, weiterhin für den schnellen Aufbau einer Fangemeinde, aber nur wenn du viele Reels veröffentlichst.

Facebook – Es hat sich nichts geändert

Weil sich Instagram gut mit Facebook verknüpfen lässt, habe ich dort eine neue Fanpage für mein Kunstprojekt eingerichtet.

Normale Posts wurden dort von durchschnittlich 7 Nutzern gesehen. Nicht gerade ein Raketenstart. 

Stories kann man seltsamerweise gar nicht auf der Fanpage posten, so dass die neue Möglichkeit Follower zu gewinnen, gar nicht genutzt werden kann. Ich habe die kurzen, lustigen Videos im vertikalen Bildformat einfach auf meinem normalen Profil gepostet. Der Spitzenreiter bekam 48 Aufrufe, das Schlusslicht 22. Neue Follower bekam ich keinen einzigen.

Schon seit einigen Jahren sind Gruppen und Stories auf Facebook die einzige Möglichkeit wenigstens ein bisschen Sichtbarkeit zu bekommen. Aber ganz ehrlich, ich komme mir auf dieser Plattform immer noch vor als würde ich mit einer Wand reden. Sozial ist Facebook schon lange nicht mehr. 

Verknüpfe als Anfänger das Ding einfach mit deinem Instagram-Account und sorge dafür, dass deine Posts automatisch auf beiden Plattformen veröffentlicht werden. Ansonsten kannst du Facebook unter “Set and forget” einordnen.

YouTube – Ziemlich falsche Gerüchte unterwegs

Vermutlichen YouTube selbst gestreut, kursiert gerade das Gerücht, dass der Dienst im Moment kurze, lustige Videos im vertikalen Bildformat – dort heißen die Dinger #shorts – besonders gerne sieht (weil er wie alle anderen unbedingt das neue Tim Tok werden will) und ihnen enorme Reichweite zugesteht.

Tatsächlich gibt es einige Accounts, die nur noch #shorts posten und sich damit ein Millionenpublikum aufbauen konnten.

So einfach, wie die Social Media Gurus behaupten, scheint das Ganze aber nicht zu sein. Bei mir war nur ein einziger #short halbwegs erfolgreich. Heute vormittag hatte das Ding über 400 Views, aber YouTube ändert seine Statistiken gerne zwischendurch. In der Zeit zwischen diesen Text schreiben und den Screenshot machen sank die Zahl der Views auf 382.

Wo zum Teufel bleibt die Förderung?

Alle anderen Filmchen, darunter das auf Instagram über 3.000 mal aufgerufene, bekamen so gut wie keine Views. Geliked und geteilt wurde gar nichts, folgen will mir auch noch niemand.

Bis auf einen Ausreisser kann ich nirgendwo erkennen, dass YouTube die Shorts besonders fördert oder bevorzugt. Wenn dir jemand etwas anderes erzählt, lauf weg so weit du kannst! Der will dir nur seinen supertollen YouTube-Kurs verkaufen.

Pinterest – Kein einziger Klick!

Pinterest war schon immer der seltsame Eigenbrötler, den keiner so richtig versteht. Ich auch nicht. Dementsprechend vernichtend sieht die Statistik auf dieser Plattform aus. Kein Klick, kein View, nichts.

Der Fairness halber muss ich einräumen, dass Pinterest wahnsinnig lange mit dem Auswerten braucht und dass die dort sehr übersichtlich gestalteten Statistiken oft tagelang gar nichts anzeigen.

Vielleicht hat der dort für die Statistiken zuständige Mensch meine Klicks und Views einfach noch nicht ausgewertet. Vielleicht funktioniert einfach das Thema Kunst nicht auf dieser Plattform.

Im Moment bleibt Pinterest für mich ein Buch mit sieben Siegeln und ich würde keinem Anfänger raten sich auf dieses seltsame Ding einzulassen.

Twitter – Gemischte Gefühle

Auf Twitter kann ich zumindest einen Fehler benennen, den ich bei der Nutzung der Plattform bewusst mache. Um dort aufzufallen, müsste ich spätestens alle zehn Minuten einen neuen Tweet raushauen. Mit so einem Gedanken kann ich mich nicht anfreunden, ich lasse auch diese Plattform automatisch von Later.com bestücken. In der kostenlosen Version von Later bedeutet das, dass ich einen Tweet pro Tag rausknalle, mehr nicht.

Immerhin, für meinen geringen Arbeitseinsatz schlägt sich die Plattform besser als Pinterest. Der schlechteste Beitrag erhielt 7 Views, der beste 121. Geliked oder retweetet wurde gar nichts von dem Zeug, Follower bekam ich auch keinen. Das wäre wohl etwas zuviel verlangt gewesen.

Ich räume Twitter durchaus die Möglichkeit ein, dass du dir dort als Anfänger schnell eine Fangemeinde aufbauen kannst. Allerdings musst du dich hier an den Gedanken intensiver Akkord-Arbeit gewöhnen und dich der Plattform mit Haut und Haaren opfern. Für mich ist das nichts, allein der bloße Gedanke an Akkordarbeit verursacht mir nervöse Zuckungen, Krämpfe und Schüttelfrost. Ich lasse es einfach mal nebenher mitlaufen, große Hoffnungen setze ich aber nicht in diesen Dienst.

LinkedIn – Eher nicht so der Brüller

Eigentlich ist LinkedIn nichts für Künstler. Es ist für Geschäftsleute gedacht, die Kontakte knüpfen möchten oder einen neuen Job suchen. Ich belästige diese Plattform nur mit meinem Zeug, weil Later.com sie automatisch mitversorgt.

Wie bei Twitter gibt es unter jedem veröffentlichten Beitrag ein Symbol, über das man die Statistiken für den Beitrag aufrufen kann. Allerdings zeigt LinkedIn dieses Symbol erst, wenn mindestens zehn Leute den Beitrag gesehen haben. 

Weil ich trotz intensiver Suche das Symbol bei meinen Beiträgen nirgendwo finden konnte, gehe ich davon aus, dass ich die geforderte Mindestzahl nicht geschafft habe. Ich hatte somit weniger als zehn Klicks und oder Views.

Immerhin machte sich jemand die Mühe mich zu kontaktieren. Die Frau faselte irgendwas unverständliches über ein MBA Programm der Financial Times, aber hey! Es war immerhin ein erster Kontakt.

Als Anfänger solltest du wissen, dass LinkedIn stark auf Business spezialisiert und deswegen kein normales soziales Netzwerk ist – auch wenn sie gerade anfangen Tik Tok zu kopieren. Wenn du einen Job suchst oder zu diesen Powerpoint-Fritzen gehörst, die im Business-Meeting glänzen müssen, kannst du dir das Ding gerne anschauen. Zum künstlerischen Bespaßen des Publikums eignet sich die Plattform nicht.

Für mich ist LinkedIn immer so ein Ding, das man irgendwie haben will, weil es dem eigenen Ego eine gewisse Seriosität verschafft. Ich werde mal versuchen, hier die Besitzer von namhaften Kunstgalerien anzuschreiben. Sollte ich dort jemals Follower bekommen, wird es sich dabei mit höchster Wahrscheinlichkeit nur um geschäftliche Kontakte handeln, die einem bestimmten Zweck dienen. Fans muss ich mir woanders suchen.

Die spannende Frage: Wie viel Traffic hat es gebracht?

Nachdem wir die verschiedenen sozialen Plattformen betrachtet und ausgewertet haben, können wir uns jetzt der spannensten – und eigentlich einzig wichtigen – Frage widmen: Wie viele der Klicker, Viewer und Follower haben sich die Mühe gemacht auf meinen Link zur Kunstgalerie zu klicken, wo man die Kunstwerke kaufen kann?

Um Messwerte zu erhalten, habe ich den Link mit bit.ly gekürzt, weil dieser Dienst eine Analyse-Funktion bietet. Den gekürzten Link habe ich dann überall dort auf den sozialen Plattformen platziert, wo es möglich und erlaubt war.

Das Ergebnis: 10 Klicks. Bit.ly kann leider nur mit Instagram wirklich etwas anfangen, daher weiß ich,dass 3 Klicks von dieser Plattform kamen. Der ganze traurige Rest wurde unter “Email, SMS, Direct” zusammengefasst.

Da sind sie, die wahren Interessenten…

Das ist ein bisschen schade, mich hätte durchaus interessiert, wie viele Nutzer von welcher Plattform genau kamen. Immerhin erfuhr ich, dass 8 Nutzer aus Deutschland stammen, einer aus den USA und ein weiterer aus Finnland. 

Natürlich habe ich nach einer Woche keinen rauschenden Besucheransturm erwartet. Die paar Nutzer, die tatsächlich auf den Link geklickt haben, waren vermutlich einfach nur neugierig. Es wird noch viele Klicks, Likes und Follower brauchen, bis der erste Verkauf eines meiner neuen Kunstwerke zustande kommt. Denn selbst wenn ich tausend Leute auf die Galerieseite locke, heißt das nicht, dass sich unter diesen Tausend ein tatsächlich interessierter Käufer befindet.

Ab diesem Punkt beginnt ein simples Zahlenspiel. ich bestücke die sozialen Netzwerke weiter mit Inhalten und vor allem mit kurzen, lustigen Videos im vertikalen Bildformat. Je mehr Leute diese Inhalte sehen, desto wahrscheinlicher ist es, dass ein neuer Follower unter ihnen ist. Vor allem bei den Followern ist es wahrscheinlich, dass diese auf meinen Galerie-Link klicken. Habe ich viele Follower gesammelt, die tatsächlich auf den Link klicken, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass sich jemand darunter befindet, der zumindest eine Kaufabsicht hegt. Habe ich viele Leute mit Kaufabsicht, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass sich jemand darunter befindet, der tatsächlich etwas kauft.

Mal schauen, wie das alles enden wird. Ich halte euch auf alle Fälle auf dem Laufenden.

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Reise mit Dividenden finanzieren – Klappt das?

Kann man eine komplette Reise mit Dividenden finanzieren? Das wäre so ziemlich die Krönung, oder? Schauen wir uns die Sache mal ein wenig genauer an.

Wieviel kostet die Reise?

Zuerst müssen wir ermitteln, wieviel Geld wir für die Reise erwirtschaften müssen. Der durchschnittliche Preis für eine Pauschalreise liegt bei knapp 3.000 Euro, sagt Tante Google.

Gehen wir von einem normalen Arbeitnehmer aus, der einmal im Jahr in Urlaub fährt, müssen wir demzufolge 3.000 Euro im Jahr mit Dividenden erwirtschaften.

So kannst du die Reise mit Dividenden finanzieren

Weil wir maximale Sicherheit haben möchten, suchen wir uns jetzt eine große Firma, die schon lange auf dem Markt ist, die nicht so schnell pleite gehen wird und die halbwegs vernünftige Dividende zahlt.

Als Beispiel nehme ich jetzt einfach mal den amerikanischen Telekommunikationsanbieter Verizon. Diese Firma bezahlt derzeit eine Dividendenrendite in Höhe von 4,45%, eine einzelne Verizon-Aktie kostet 56,44 US-Dollar, umgerechnet 47,56 Euro.

Quelle: Yahoo Finance

Damit lässt sich etwas anfangen. Ich runde jetzt einfach mal die Beträge ab, damit wir mit geraden Zahlen hantieren können. Wir bekommen 4% Dividende und die Aktie kostet 47 Euro.

Mit Hilfe einer simplen Formel könnt ihr berechnen, wieviel Kapital ihr braucht, um bei einer 4-prozentigen Rendite 3.000 Euro im Jahr zu erwirtschaften:

3.000 : 0,04 = 75.000

Autsch! So viel hat nicht jeder einfach herumliegen. Die Formel deckt sich auch mit unserer Beispiel-Aktie von Verizon.

Pro gekaufter Aktie erhalten wir 1,88 Euro Dividende. Wir müssen demzufolge 1.596 Verizon-Aktien kaufen, um insgesamt 3.000 Euro Dividendenzahlung zu erhalten. Insgesamt bezahlen wir 75.012 Euro dafür.

An den richtigen Stellschrauben drehen

Wir haben keine 75.000 Euro auf dem Konto oder einfach keinen Bock soviel in Verizon reinzubuttern.

Schauen wir einfach mal zur Konkurrenz. AT&T, ebenfalls ein sehr bekannter amerikanischer Telekommunikationsanbieter, zahlt 7,12% Dividende. Noch dazu kostet eine Aktie dieser Firma nur 29,23 US-Dollar, umgerechnet 24,63 EUR.

Quelle: Yahoo Finance

Ich runde für die Formel wieder ab. Wir bekommen 7% Dividende, eine Aktie kostet 24 Euro:

3.000 : 0,07 = 42.857,14

Das klingt schon etwas besser, nicht wahr? Je höher die Dividende ausfällt, desto weniger Startkapital brauchen wir, um eine Reise mit Dividenden finanzieren zu können.

Nicht nur eine Reise, wohlgemerkt. Wenn du das hinbekommst, was wir hier machen, erhältst du die Dividendenzahlung jedes Jahr. Du kannst dir somit jahrzehntelang deine Pauschalreisen finanzieren lassen!

Nachdem wir jetzt wissen, wie wir das zu investierende Startkapital nach unten drücken können, müssen wir einfach nur noch den besten Dividendenzahler finden. Dabei wollen wir aber weiterhin die Sicherheit nicht außer Acht lassen. Mit Google findest du schnell ein paar nette Herren, die dir “garantiert” 20% Dividendenrendite zahlen. Lass die Finger von solchen Angeboten! Dein Geld ist schneller weg, als du “Aktie” sagen kannst.

Schauen wir uns lieber an, was der Finanzmarkt noch zu bieten hat.

Stolze 12% Dividendenrendite!

So genannte Exchange Trading Funds (ETFs) sammeln Aktien zu bestimmten Themen unter bestimmten Kriterien. Du bekommst hier Aktienanteile von mehreren Firmen, die nach bestimmten Gesichtspunkten ausgewählt werden. 

Unser Kriterium lautet: Möglichst hohe Dividende. Wir suchen also nach einem ETF, in dem nur Firmen stecken, die besonders hohe Dividenden zahlen.

Quelle: Yahoo Finance

Ein Beispiel dafür ist der Global X Nasdaq 100 Covered Call ETF. Aus diesem Namen können wir vieles herauslesen. In diesem ETF stecken Firmen aus der ganzen Welt, die an der NASDAQ-Börse gelistet sind und sich im dortigen Ranking auf den ersten 100 Plätzen befinden. Wir reden hier von sehr großen Unternehmen mit wahnsinnig großem Kapital. Covered Call bedeutet, dass dieser ETF zusätzliches Geld erwirtschaftet, indem er Kaufoptionen auf seine Wertpapiere schreibt. Das zu erklären, führt arg weit weg vom Thema, ich verlinke hier einfach mal auf diesen Artikel.

Was uns mehr interessieren sollte, sind die Eckdaten bezüglich Sicherheit und Dividende. Den Global X Nasdaq 100 Covered Call ETF gibt es seit 2016, sein Kurs schwankte in den letzten zwei Jahren immer so zwischen 21 und 23 US-Dollar. Ich schätze das Risiko als gering ein, weil der Kurs wenig schwankt, und weil der ETF nur auf große und bekannte Firmen setzt und schon einige Jahre auf dem Markt ist.

Aus juristischen Gründen muss ich darauf hinweisen, dass ich diesen ETF selbst in meinem Portfolio liegen habe.

Warum? Ganz einfach. Er zahlt satte 11,99% Dividende! Runden wir das einfach mal auf 12% und jagen wir das Ganze durch unsere altbekannte Formel:

3.000 : 0,12 = 25.000

Jetzt rückt der dividendenfinanzierte Pauschalurlaub gewaltig näher, was? Wir haben gerade die Investitionskosten um 50.000 Euro nach unten gedrückt, ohne das Risiko nennenswert zu erhöhen. Und das war noch immer nicht das Ende der Fahnenstange!

Es geht noch einiges mehr…

Der absolute Spitzenreiter bei den Dividenden-ETFs nennt sich Columbia Research Enhanced Value ETF. Er lockt Anleger mit komplett irrsinnigen 19,97% Dividendenzahlung! Der Preis für diesen ETF beträgt derzeit 20,35 US-Dollar.

Dieses Wertpapier habe ich noch nicht in meinem Portfolio, ich will erst noch mehr darüber herausfinden, um das Risiko besser einschätzen zu können.

Zum Spaß jage ich es trotzdem durch unsere Formel, rechne wie üblich Beträge in Euro um und runde, wo es nötig ist.

3.000 : 0,2 = 15.000

So viel Geld haben viele Leute auf ihrem Sparkonto herumliegen. Viele Aktien-Broker bieten auch die Möglichkeit über einen Sparplan monatlich Geld einzuzahlen. So kannst du dir die Summe nach und nach aufbauen.

15.000 Euro für eine Pauschalreise wäre natürlich ein bisschen arg viel. Vergiss aber nicht, dass du die Dividenden jedes Jahr bekommst und dass diese auch generiert und ausbezahlt werden während du am Strand liegst und eine Pina Colada schlürfst.

Ändert sich der Durchschnittspreis für eine Pauschalreise in den nächsten Jahren nicht, hättest du nach 5 Jahren den “Break Even” erreicht. Mit 5 durch Dividenden bezahlten Pauschalreisen hast du die 15.000 Euro wieder herein gewirtschaftet.

Wäre da nicht noch… das Finanzamt 🤢

Eines müssen wir noch berücksichtigen: Dividenden sind erwirtschaftetes Einkommen und damit steuerpflichtig. Du zahlst grundsätzlich 25 % Abgeltungssteuer, plus 5,5% Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls auch noch Kirchensteuer. Rechne damit, dass du in Bayern und Baden-Württemberg insgesamt 27,82 % inklusive Kirchensteuer berappst, in den restlichen Bundesländern kostet der Spaß 27,99 %.

Da wir 3.000 Euro erwirtschaften, zahlst du

  • in Bayern und Baden-Würtemberg 834,60 Euro Steuer
  • im restlichen Deutschland 839,70 EUR Abgeltungssteuer

Das ist natürlich ein ziemlicher Hammer. Die nehmen dir fast ein Drittel deines Einkommens. Der Broker führt die Steuer direkt an das Finanzamt ab, du kannst nichts dagegen tun.

Jetzt hast du zwei Möglichkeiten: Entweder du speckst deinen Urlaub ein wenig ab und suchst dir eine Reise, die nur 2.165,40 beziehungsweise 2.160,30 Euro kostet oder du erhöhst dein investiertes Kapital, um die Steuer aufzufangen und doch wieder auf 3.000 Euro Verdienst zu kommen.

Was wir auch noch nicht berücksichtigt haben, sind die Handels- und Wechselgebühren des Aktienbrokers. Ich selbst bin bei DeGiro, da zahle ich keine Monatsgebühren. Ein Trade, also ein Kauf oder Verkauf, kostet im Durchschnitt 2 Euro. Die Wechselgebühren bei ausländischen Aktien richten sich nach dem marktüblichen (schwankenden) Preis. Rechne für all das einfach mal großzügig 50 Euro ein, wenn du dein Portfolio komplett neu aufbaust.

Weil es bei der hier vorgestellten Dividenden-Strategie nicht um ständiges Kaufen und Verkaufen geht, fallen die meisten Broker-Gebühren nur am Anfang an, wenn du dir dieses System einrichtest. Läuft es, musst du eigentlich nur noch Wechselgebühren zahlen, wenn das Dividenden-Geld von Dollar in Euro umgewandelt wird. Das sind aber Peanut-Beträge.

Die Sache endet – mit dem allgemeinen Disclaimer

Wenn man über Wertpapiere schreibt, muss man auf die damit verbundenen möglichen Risiken hinweisen und auch darauf, ob man selbst diese Wertpapiere hält.

Von allen hier vorgestellten Aktien und ETFs halte ich nur den Global X Nasdaq 100 Covered Call ETF im eigenen Portfolio.

Wertpapiere jeglicher Art enthalten grundsätzlich ein Risiko, im schlimmsten Fall kannst du dein gesamtes Geld verlieren. Mindern kannst du das Risiko, indem du nicht nur auf ein einzelnes Wertpapier setzt, sondern besser verschiedene kaufst, die Verluste gegenseitig abfedern können.

Die NASDAQ ist ein Sonderfall unter den Börsen. Hier handeln nur Computer, keine Menschen. Ein Hacker könnte sich dort einschleichen und die Kurse manipulieren. Es könnte auch einfach der Strom ausfallen, so dass du nicht mehr an dein Geld kommst.

Wertpapiere aller Art sind Kursschwankungen ausgesetzt und Dividenden können gestrichen werden. Es gibt also keine Garantie für nichts. Kaufst du Aktien eines Unternehmens und geht es diesem Unternehmen schlecht, wird es als erstes die Dividende kürzen oder komplett streichen. Dann kannst du die Aktien entweder im Portfolio liegen lassen und hoffen, dass sich die Situation wieder bessert oder du verkaufst sie und suchst dir einen neuen Dividendengeber. Dummerweise ist auch der Aktienkurs im Keller, wenn es der Firma schlecht geht. Du müsstest in diesem Fall für weniger verkaufen als du bezahlt hast und machst Verlust.

Wie kannst du das Risiko mindern? Am besten durch eine profunde Finaanzbildung, die du dir auf diesem Blog oder aus Büchern wie diesen hier aneignen kannst. Hilfreich ist auch die Diversifikation, also das Verteilen des Vermögens auf verschiedene Wertpapiere.

Jetzt ist dem Gesetz hoffentlich Genüge getan. Bleibt nur noch zu wünschen, dass du dir mehr als nur eine Reise mit Dividenden finanzieren kannst.